Kein Berufsstand wird derart mit negativen Vorurteilen überzogen und verächtlich gemacht wie der des Handwerkers (mit Ausnahme der Journalisten und Immobilienmakler vielleicht). Handwerker seien unpünktlich, schludrig und unzuverlässig, schimpft halb Deutschland. Irische Handwerker seien äußerst unpünktlich, äußerst schludrig und äußerst unzuverlässig, schimpfen Deutsche wie Iren in Irland. Das Schlimme an diesen schrecklichen Vorurteilen ist: Sie stimmen. (Und ja, jeder kennt auch Ausnahmen.)

In Irland herrscht eine nie gesehene Wirtschaftskrise. Auf dem Bau und im Bau regiert die Flaute, es gibt kaum Arbeit für Bauarbeiter und Handwerker. Die Idee, dass es deshalb leicht sei, einen Klempner, Elektriker oder Heizungsinstallateur für einen kleineren häuslichen Auftrag zu begeistern, liegt nahe. Ist aber falsch. Irische Handwerker bleiben unzuverlässig, unpünktlich und schludrig. Der Grund: Die meisten Chefs haben in den vergangenen Monaten massiv Personal entlassen und arbeiten nun auf niedrigem Auslastungsniveau nach dem bewährten Muster: Ein Kunde, der nicht mindestens dreimal in derselben Angelegenheit nachbohrt, kann es mit dem Auftrag gar nicht ernst meinen.
Was die Qualität der Arbeit angeht, zwei kleine, aktuelle Schlaglichter:
Nachdem der Klempner-Gehilfe trotz stundenlanger Versuche an derAufgabe scheiterte, den Abfluss an einem Waschbecken zu reparieren, wartete der Chef mit einer sensationellen Innovation auf: einem auf Knopfdruck reagierenden Chrom-Stöpsel. Man war begeistert, zumindest drei Tage lang, danach lahmte der viel verprechende Turbo-Stöpsel. Ganz im Vertrauen verriet der Boss auf Anfrage, dass er dasselbe Problem im eigenen Haus auch hat. Welcher Kunde hat so viel Trost auf einmal verdient?
Herrschte bis vor zehn Jahren auf dem Baustoffmarkt in Irland der Mangel vor, so hat der bauwütige Keltische Tiger doch für einige Angebotsvielfalt gesorgt und die Verfügbarkeit moderner Baumaterialien stark verbessert. D