Wer Irland für die gemütliche Insel der Schafe, der sahnigen Butter, der sanften grünen Wiesen und der ständig schwarzbiertrinkenden Menschen hält, kann diese stereotypen Eindruck vielleicht sogar über einen zweiwöchigen Wohnmobilurlaub an der Westküste retten. Die Musik der Wirklichkeit spielt derweil woanders – zum Beispiel in den europäischen Konzernzentralen von Apple, Google, Facebook, WhatsApp, Microsoft, LinkedIn, Adobe, Tiktok, Airbnb, Tinder, Twitter, Dropbox, Yahoo und und und – in Dublin oder Cork.

Die globalen Digitalkonzerne prägen das Leben in Irland längst mehr als jede traditionelle Wirtschaftsbranche. Sie haben die Insel in einen neoliberalen Hotspot verwandelt, sie haben die Gesellschaft gespalten und sie lassen die Gesetze nach ihrem Gutdünken und zum Wohl ihrer Aktionäre gestalten. Die irische Regierung sitzt in der Falle. Um den geliehenen Arbeitsmarkt im Land zu erhalten, muss sie sich den Globalisten dienstbar machen  – und sie hat in jahrezehntelanger Erfahrung Rafinesse und Brillianz darin entwickelt.

Ob ganz legale Steuerhinterziehung, ob Freifahrtscheine für Umweltsünder, oder Datenschutz, der nur die Interessen der Konzerne schützt: Irland hats oder Irland machts möglich. Konsequenterweise ging der Big Brother Award deshalb in diesem Jahr an Irland, genauer gesagt, an die irische Datenschutzbehörde DPC (Data Protection Commission). Den Negativ-Datenschutzpreis erhielt die DPC für ihr Lebenswerk, die nachhaltige und umfängliche Sabotage des europäischen Datenschutzrechts. Der Lifetime-Oscar für Datenkraken wurde den Iren von einer in 19 Ländern aktiven internationalen Datensschutz-Initiative verliehen. Chapeau! Hier die Begründung des Big Brother Awards:

„Ein BigBrotherAward 2022 geht an die irische Datenschutzaufsicht, kurz DPC (Data Protection Commission), vertreten durch ihre Chefin Helen Dixon, für ihre umfassende Sabotage des europäischen Datenschutzrechts. Und weil die irische Datenschutzaufsicht das s