Dzogchenbeara

 

Garranes ist ein stiller Ort hoch auf den Klippen der Beara Peninsula im äußersten Südwesten Irlands. Vor über 30 Jahren hat sich in Garranes eine buddhistische Gemeinschaft angesiedelt und den Ort in Dzogchenbeara umbenannt. Angeführt wurde die spirituelle Gemeinde von einem weltweit berühmten tibetischen Buddhismus-Lehrer: Sogyal Lakar, bekannt als Sogyal Rinpoche. Im Sommer 2017 stürzte eine lange vorbereitete Palast-Revolte von acht ehemals Getreuen den Guru von Beara, dem seit den 90-er Jahren Vorwürfe wegen körperlichem, sexuellem und emotionalem Missbrauchs anhingen. Seitdem ist auf den Klippen von Garranes hoch über dem Atlantik nichts mehr, wie es einmal war.

Die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Acht brachten das System Sogyal zum Einsturz. Sogyal Rinpoche wurde vom Dalai Lama fallen gelassen, er trat von allen Ämtern in der von ihm aufgebauten weltweiten Rigpa-Organisation zurück und zog sich eilig zurück. Die unabhängige britische Anwaltskanzlei Lewis Silkin bestätigte im August 2018 nach einer detaillierten Untersuchung die Vorwürfe: Rinpoche habe zahlreiche, meist abhängige Menschen in seinem Umfeld körperlich, seelisch und sexuell missbraucht. Außerdem habe er ein exzessives Leben in Luxus geführt, das in krassem Gegensatz zu seinen Lehren stand. (Hier der Untersuchungsbericht in deutscher Übersetzung).

Der Guru, dessen große Karriere auf den Klippen von Garranes begann, ist seit Juli 2017 unbekannten Aufenthalts. Auf Facebook bat er seine Anänger im September 2017, für ihn zu beten. Er sei an Darmkrebs erkrankt. Sogyal Lakars bis heute letzte Nachricht stammt vom 12. November 2018: Der Krebs sei nicht geheilt. Mit Hinweisen auf seine Erkrankung entzog sich der Mann aus Tibet einer Mitwirkung an den Untersuchungen der Anwaltskanzlei Lewis Silkin.

In den kommenden zwei Wochen bis zum Patrick´s Day werde ich rund um die Beara Peninsula wandern und dabei auch zwei Nächte auf den Klippen von Garranes verbringen.  Ich trage einige Fragen mit mir: Wo hält sich Sogyal Lakar heute auf? Kümmern sich die Justizbehörden irgendwo auf der Welt um den Fall?  Wird sich Sogyal Rinpoche wie jeder Andere für sein Verhalten verantworten müssen? Wie geht es in den Rigpa-Communities weltweit weiter? Wie sieht die Zukunft der buddhistischen Gemeinschaft auf den Klippen von Garranes aus?  Ich werde berichten.

Der Buddhismus jedenfalls hat ein halbes Jahrhundert nach seiner Ankunft im Westen seine Strahlkraft verloren. Zu viele Botschafter der östlichen Lebens- und Heilslehre sind ihrer großen Verantwortung nicht gerecht geworden. Rinpoche ist kein Einzelfall. So werden gerade die Missbrauchs-Taten des populären tibetisch-amerikanischen Ober-Gurus Sakyong Mipham („der Marathon-Lama“) Stück für Stück offen gelegt. Shambala, die Zahl der seelisch Wohnsitzlosen wird nicht kleiner.  Manche sagen, das Projekt West-Buddhismus sei gescheitert.

Der irische Sänger Van Morrison kannte die Antwort schon lange: No Guru, No Method, No Teacher. Die Zukunft gehört einer individuell gelebten Spiritualität.

Im Folgenden veröffentlichen wir noch einmal den ausführlichen Irlandnews-Beitrag vom 14. September 2017 über Dzogchenbeara und das Scheitern des Gurus Sogyal Rinpoche:

 

Dzogchenbeara. Der Ort kommt auch ohne einen Rinpoche aus.

 

Alles ist vergänglich. Vor 50 Jahren waren die Wiesen auf den Klippen von Garranes hoch über dem Atlantik im Südwesten Irlands einsames Farm- und Weideland am westlichen Ende Europas. Vor 30 Jahren begannen Erleuchtung suchende junge Menschen auf diesen Felsen mit dem Aufbau eines buddhistischen Meditations-Zentrums. Die spirituelle Flagge trug ein schlauer Tibeter mit dem Namen Sogyal Lakar (Foto).  Der Weisheitslehrer in roter Robe nannte den Ort Dzogchenbeara (was in etwa bedeutet: Die Essenz der Lehren Buddhas auf der Beara Halbinsel). Sogyal hatte ein Projekt: Er startete mit Unterstützung mächtiger Interessen im Hintergrund das Projekt der Rettung des tibetischen Buddhismus in der Diaspora im Westen. Heute arbeiten im Namen von Sogyals Organisation Rigpa 130 Meditationszentren in 30 Ländern der Welt. Gerade noch war der inzwischen 70 Jahre alte Vorzeige-Buddhist der Rinpoche, der „Kostbare“, der in Europa zweit-wichtigste Tibeter nach dem Dalai Lama.

Gerade noch. Und jetzt? Jetzt liest sich die Geschichte seines Mediations-Zentrums Dzogchenbeara auf den Klippen von Garranes nach eigener Darstellung so:

„In 1973, Peter and Harriet Cornish bought 150 acres of rugged farmland with a wish to create a place that would offer a spiritual home to people of all traditions: In 1992 they made a gift of the land and buildings to a charitable trust dedicated to making the Buddhist teachings of meditation, compassion and wisdom available to the modern world. In June 1993 Harriet died of cancer at the age of 44. Her death inspired the development of the Spiritual Care Education Programme and the building of the Care Centre at Dzogchen Beara.“

Kein Wort über Sogyal Rinpoche. Keine Zeile mehr über den berühmten Spiritual Director, seine 30 Jahre währende Präsenz auf den berühmten Klippen bei Allihies. Alles ist vergänglich. Irgendwann auch der Verdrängungs-Reflex der buddhistischen Gemeinde. Zahlen sind Schall und Rauch. Eigentlich sollte dieses Jahr 2017 in Dzogchenbeara ein Jahr der Freude sein: Der spirituelle Chef wurde 70, das Zentrum auf den Klippen 30 Jahre alt. Stattdessen verwüstete der offene Brief von acht langjährigen Rinpoche-Schülern die buddhistische Landschaft von Rigpa mit der Macht eines Kategorie-4-Hurricanes. Der Druck auf den Kesseln von Rinpoches allzu weltlicher Seelenheil-Fabrik war zu groß geworden. Nach dem Brief der Acht an ihren alten Meister ist nichts mehr wie es war. Schockwellen erschüttern das gesamte Buddhismus-Land.

Die Vorwürfe der Acht gegen Rinpoche sind gravierend:

1. Körperliche Gewalt, emotionaler und psychischer Missbrauch von Schülern.

2. Sexueller Missbrauch von Schülern (genauer: Schülerinnen).

3. Ein verschwenderischer, gefräßiger und genuss-süchtiger Lebensstil.

4. Unwahrhaftigkeit. Verstöße gegen die buddhistische Ethik und dadurch Beschädigung der religiösen Überzeugungen der Schüler.

Die Vorwürfe, der Brief d