Die Energieversorger Irlands machen in diesem Winter die besten Geschäfte seit vielen Jahrzehnten, vielleicht sogar die besten aller Zeiten. Fast zwei Monate hält der frostige Eiswinter auf der Insel nun schon an – von kurzen Unterbrechungen abgesehen. Öl, Kerosin, Holz, Kohle, Torf und Gas sind die begehrten Produkte dieser „Mini-Eiszeit“ – und die wetter-besessenen Iren haben Tag für Tag ein großes Diskussionsthema.


Niemand erinnert sich an einen vergleichbar strengen Winter auf der Insel, und die Erinnerungen der alten Leute fördern manche interessanten Geschichten aus kalten Zeiten in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und der harten 50er Jahre zutage. Auch damals gab es kalte Tage und Nächte, allerdings fehlten oft auch die Mittel, um die Häuser zu heizen oder warmes Essen zuzubereiten. Die Jahre 1939 bis 1945 werden auf der Insel als „The Emergency“ bezeichnet, als die Notstands-Jahre. Zahlreiche Güter wie Tee, Zucker, Kohle und Gas waren äußerst knapp und deshalb streng rationiert. 


In Dublin – wo zahlreiche Häuser mit Gas geheizt und beleuchtet wurden –  schränkte die Regierung die Gasnutzung ab 1942 mehr und mehr ein, von zunächst zehn auf später fünf Stunden pro Tag. Wenn die Gaswerke im täglichen Ritual die Versorgung abdrehten, blieb stets ein Rest Gas in den Leitungen verfügbar – und diesen zu nutzen, war verboten. Zwar sah die Regierung, die den Gasklau als „Verbechen“ brandmarkte, am Ende davon ab, das Vergehen zu ahnden. Die Gaslieferanten allerdings schickten ihre Kontrolleure durch die Häuser.


Wer außerhalb der erlaubten Zeit beim Heizen oder Kochen erwischt wurde, riskierte, von der Gasversorgung komplett abgehängt zu werden. Der Gas-Kontrolleur wurde „Glimmer Man“ genannt – nach damaligen Anzeigen, in denen die Bevölkerung ermahnt wurde, kein Gas zu verschwenden: „not to waste gas . . . not even a glimmer“.