
Merkel trifft ihren „Poster Boy“ Kenny

Irland und die deutsche Hegemonie
Peinlicher Vorfall am Rande des Kenny-Besuchs in Berlin: Dort und nicht in Dublin sickerten Details der für 2012 und 2013 geplanten Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen durch, darunter eine Anhebung der Mehrwertsteuer um gleich zwei volle Prozentpunkte auf 23 Prozent und die Einführung einer pauschalen Abgabe von 100 Euro für alle Haushalte. Das Dokument, das Kenny wohl den deutschen Finanzexperten vorgelegt hatte, war irgendwie an die Medien gelangt. Ein Skandal, ruft die Opposition im irischen Parlament. Und fragt: Muss Irland seine Finanzpolitik neuerdings vom deutschen Bundestag absegnen lassen? Wer regiert eigentlich auf der Insel? Es sei deutlich geworden, wohin sich die Europa-Idee mittlerweile entwickelt habe: Zu einer deutschen Hegemonie. (Quelle: Irish Times)
Regierung legt Pläne zur Reform des Öffentlichen Dienstes vor
Die Regierung gab diese Woche ihre Pläne zur dringend erforderlichen Reform des Öffentlichen Dienstes bekannt. Der Fokus liegt auf der Rückgängigmachung des umstrittenen Dezentralisierungs-Programms, das die allzu freigebige Vorgängerregierung 2003 auf den Weg brachte. Inhalt des Programms war die Verlegung von Behörden und Agenturen aus Dublin heraus in entferntere Regionen des Landes, um dort wirtschaftliches Wachstum zu stimulieren – eine absolute Schnapsidee, meint nicht nur Enda Kenny. Im Zuge der Reform sollen nun bis Ende nächsten Jahres 48 der damals geschaffenen staatlichen und halbstaatlichen Agenturen und Organisationen wegrationalisiert werden. Weitere 46 werden derzeit noch auf ihren konkreten Nutzen hin begutachtet. Der Abbau von 23.500 Stellen auf dann 282.500 bis Ende 2015 soll die öffentliche Kasse um bis zu 2,5 Milliarden Euro entlasten. (Quelle: Irish Times)
Studenten protestieren gegen höhere Studiengebühren
Der November ist traditionell die beste Zeit für Proteste — denn im Dezember wird der Haushalt verabschiedet. Diese Woche gingen geschätzte 20.000 Studenten in Dublin auf die Straße, um gegen eine drohende Anhebung der Studiengebühren zu demonstrieren. Die Regierung mit Ausbildungsminister Ruairi Quinn diskutiert eine Anhebung der Gebühren von derzeit 2.000 Euro auf dann 2.500 Euro. Zu viel und zu ungerecht, sagen die Studenten. Auf ihrem Protestmarsch durch Dublin mahnten sie die Regierung, ihre Versprechen aus dem Wahlkampf zu halten, und keine Gebühren anzuheben oder Studienzuschüsse zu reduzieren. (Quelle: Irish Times)
Zahl der strauchelnden Hausbesitzer steigt auf 100.000
Die Zahl der Immobilienbesitzer, die mit der Rückzahlung ihres Kredites in Rückstand sind, steigt und steigt. Nach Angaben der Irischen Zentralbank sind es nun 100.000. Dies setzt sich zusammen aus 62.000, die drei Monate und mehr in Rückstand sind, und knapp 40.000, die ihren Finanzierungsplan bereits umstrukturiert haben. Fast jeder achte Kreditnehmer strauchelt. Allerdings ist die Frage gerechtfertigt, wie viele Hausbesitzer wirklich nicht zahlen können und wie viele nicht zahlen wollen. Möglicherweise spekulieren viele darauf, dass der im Oktober von einer Arbeitsgruppe der Regierung vorgeschlagene pauschale Schuldenerlass tatsächlich irgendwann kommt. Warum also noch zahlen? (Quelle: Irish Independent)
Warnung vor Abzocke in Cash-for-Gold-Läden

„Oh Trappy days“ – Irland fährt zur EM
Done and dusted – Irland ist bei der Fußball-EM 2012 dabei. Das Hinspiel im Play-Off gegen Estland hatte man mit deutlichen 4:0 gewonnen. Das Rückspiel am Dienstag dieser Woche in Dublin geriet zur Fußball-Party mit 90-Minuten-Countdown. Am Ende hieß es zwar 1:1, doch das interessierte niemanden mehr. Nach langer Zeit ist Irland endlich wieder für ein großes Turnier qualifiziert. Und Giovanni Trapattoni hat’s möglich gemacht. Jubel bei den Fans, „Trappy days“ in Irland. Nun beginnt für die Fans das große Sparen für die Reise zur EM in Polen und der Ukraine. Und einige begeisterte Fans kündigten an, ihr Kind Giovanni zu nennen. (Quelle: Irish Independent)
EM 2012: Fußball-Pause für’s Parlament?
Die Vorfreude auf die EM findet sich auch im Parlament: Der Abgeordnete Mick Wallace reichte diese Woche ernsthaft den Vorschlag ein, im nächsten Jahr die Sommerpause des Parlaments doch ein paar Wochen nach vorne zu verlegen – damit die „hart arbeitenden“ (Zitat Wallace) Abgeordneten die EM im Fernsehen verfolgen können. Doch daraus wird nichts: Wallace’s Vorschlag erhielt die Rote Karte. Netter Versuch, Mick. Euro-Krise, Schuldenberg, Haushaltsplan, Reform des Öffentlichen Sektors hin oder her – scheinbar gibt es noch andere „Probleme“, die von manchen Abgeordneten als wichtiger angesehen werden. (Quelle: Irish Independent)
Brown Thomas und Michael Bublé eröffnen Weihnachtssaison

Wir wünschen allen Lesern und Irland-Fans eine gute Woche.
PS: Mehr von Dirk Huck gibt es auf seinem eigenen (derzeit ruhenden) Blog www.blog-for-ireland.blogspot.com zu lesen.
Fotos: Dirk Huck (2), merrionstreet.ie (1, oben)

Wenn jemand die EU in die Krise stürtzt,dann Merkel Brüssel und Co!