Irland Fischen

Jetzt plündern sie wieder die Bucht. Zwei lärmende Schleppnetz-Trawler pflügen den ganzen Tag durch die Bantry Bay auf der Jagd nach Sprotten. Seit Wochen schon dauert dieser zerstörerische Beutezug. Mit zuverlässigem technischem Gerät stellen die Fischer den Schwärmen dieser kleinen Fische nach. Es gibt kein Entkommen. Weder für die Sprotten noch für all die die Vögel, Fische und Säugetiere, die von den Sprotten leben.

Die irischen Sprottenfischer begehen ihre ökologischen Verbrechen noch immer auf ganz legale Weise. Das Gesetz erlaubt den großen Booten in irischen Küstengebieten und Buchten Sprotten zu fischen. Noch. Ein Verbot könnte 2021 kommen.  Vielleicht.

 

* * *

Hier mein Bericht vom 29. Oktober 2019 über den jährlich wiederkehrenden Beutezug der Sprottenfischer Sie haben es bis heute geschafft, ihre Fangboote in Irlands Küstengewässern gegen alle Widerstände aus Umweltschutz, Politik, Tourismus und selbst der Fischerei auf Kurs zu halten:

Draußen auf dem Meer kreuzen zwei große Fischerboote seit Tagen wie Synchron-Schwimmer durch die Bucht. Die Fiona K III der Kennedys aus Dingle und die Ocean Venture II der Minihanes aus Castletownbere, zwei jeweils über 27 Meter lange Fischerei-Schiffe, ziehen Tag für Tag, Stunde um Stunde, das zwischen ihnen gespannte Schleppnetz durch die Bantry Bay. Sie fischen nach Sprotten, einem kleinen, nur etwa 15 Zentimeter großen, silbernen Fisch, der einst in riesigen Schwärmen die Küstengewässer und Buchten von West Cork bewohnte.  Die beiden Trawler sind irische Schiffe, denn nur sie dürfen in den eigenen Hoheitsgewässern innerhalb der Sechs-Meilen-Zone operieren.

Die Sprotte, eine Verwandte des Herings, war eigentlich für den Menschen lange zu klein, um ihr ernsthaft nachzustellen. Seit zwei, drei Jahrzehnten,  da der Hering in diesen Meeren fast ausgerottet und durch eine Fangquote geschützt ist, suchen dieselben Fischereiboote die Gewässer nach der Sprotte ab. Mit ihren Sonaren sind sie überaus erfolgreich gewesen: Auch die europäische Sprotte (Sprattus sprattus) steht nun vor der Ausrottung. Denn für die Sprotte gibt es keine Fang-Quote.