»Im Oktober färbten sich die Bäume gelb. Dann wurden die Uhren eine Stunde zurückgestellt, und die Novemberwinde kamen, wehten unablässig übers Land und entblößten die Bäume. In der Stadt New Ross stießen die Schornsteine Rauchschwaden aus, die sich herabsenkten und in haarfeinen, langgezogenen Fäden davonschwebten, bevor sie sich entlang der Kais verteilten, und bald schwoll der Fluss Barrow, dunkel wie Stout, mit Regenwasser an.« (S. 9)

 

Ein gutes Herz in schlechten Zeiten

 

Kleine Dinge wie diese, von Claire Keegan,
übersetzt von Hans-Christian Oeser.

Rezensiert von Ellen Dunne

Sie schleicht sich an, die emotionale Wucht in Claire Keegans Erzählung „Kleine Dinge wie diese“. Zunächst lernen wir das alltägliche Leben von New Ross, einer Kleinstadt in Irlands Südosten kennen. Die Wirtschaftskrise der 80er Jahre erscheint endlos, die Zeiten sind nicht leicht. Wer Arbeit und Einkommen hat, um sich die Kohlen für die winterliche Heizung leisten zu können, schätzt sich glücklich. Und wer es sich wirklich leisten kann, bringt die eigene Wäsche zur Reinigung ins örtliche Nonnenkloster St. Margarets. Dort wird alles besonders sauber. Aber eines Tages macht der Kohlenhändler Bill Furlong bei einer Lieferung an die umtriebigen Nonnen eine verstörende Entdeckung – und steht unversehens vor der Entscheidung zwischen seiner Menschlichkeit und der Zukunft seiner Familie.

Ellen Dunne, Foto ©Orla Connolly

Die Vorkosterin: Ellen Dunne stellt auf Irlandnews lesenswerte Bücher aus und über Irland vor. Im Salzburger Land geboren und aufgewachsen, weckten zunächst die Berichte über den Nordirland-Konflikt in den 90ern ihr Interesse an der Insel. Se