Das dunkle Irland. Bilder einer verschwundenen Welt

 

 

Rückkehr aus dem Torfmoor, Connemara, 1970
„Als ich diesen beiden Männer mit ihren Eseln fotografierte, sahen sie bemitleidenswert durchnässt aus nach einem starken Regenschauer. Einer der Männer hielt immer noch einen durchweichten Sack über seinem Kopf. Die Tiere bewegten sich müde, auch die Männer waren zu erschöpft, um miteinander zu reden. Zu dieser Zeit hatte ich noch nicht „The Painted Womand“ von Liam O’Flaherty gelesen, aber als ich die Geschichte einige Jahre später las, hat das dem Bild eine völlig neue Bedeutung gegeben, weil es das harte Leben solcher Männer darstellte. (Richard Fitzgerald)

 

Der Irlandnews-Buch-Tipp: Das alte Irland war nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart eine Projektionsfläche für spätgeborene Romantiker. Auch der Schriftsteller Heinrich Böll und Generationen Leser seines Irischen Tagebuchs idealisierten das karge und harte Leben der Menschen im ländlichen Irland als „das gute Leben.“ Der irische Fotograf Richard Fitzgerald hat sein Archiv durchforstet und legt nun einen Bildband vor mit Fotos aus den Jahren 1969 bis 2010 vor. Er zeigt dieses inzwischen fast untergegangene Irland ungeschminkt in Schwarz-weiß-Fotos, die nicht romantisieren und die doch voller Würde sind. Dark Ireland. Das dunkle Irland.

Das Buch ist nach einem Gedicht des Schriftstellers Patrick Kavanagh (Raglan Road) benannt, das Gedicht hat der Autor dem Buch auch voran gestellt:

 

 

Dark Ireland

We are a dark people,

Our eyes ever turned

Inward

Watching the liar who twists

The hill-paths awry.

Oh false fondler with what

Was made lovely

In a Garden!

Patrick Kavanagh Copyright © Estate of Katherine Kavanagh

 

Kavanagh dichtete, die Iren seien ein dunkles Volk, die Augen stets nach innen gerichtet . . .

Der im County Waterford geborene Fotograf Richard Fitzgerald versammelt in seinem neuen Bildband Dark Ireland – Images of a Lost World eine Sammlung düster-melancholischer Schwarz-Weiß-Fotos, die die dunklen Seiten des traditionellen irischen Landlebens zeigen.

Mehr als 40 Jahre hat Richard Fitzgerald sein Heimatland Irland, aus dem er in jungen Jahren vertrieben wurde, bereist und dabei die Schönheit der Insel und seiner Menschen in Bildern festgehalten. Seine ehrlichen, beeindruckenden Bilder sind eine Erzählung aus vergangenen Tagen und zeigen Alltags-Momente aus einer untergegangenen Zeit. Inspiriert von einem gleichnamigen Gedicht von Patrick Kavanagh fotografierte Richard Fitzgerald intime Momente von Menschen in ihren Cottages und Farmen: Nonnen, Rosenkranz-Gebete, Beichten, Särge und Currachs sowie Pferde Märkte und Torfbauern. Dies ist die dunkle Seite des alten irischen Landlebens, eines harten und genügsamen und von der katholischen Kirche streng reglementierten Daseins, das vor allem von Irland-Reisenden vom Kontinent oder aus Nordamerika gerne idealisiert wurde.

 

Menschen beten knieend den Rosenkranz in einem Farmhaus, Co. Waterford, 1991

 


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Pferde am Inch Beach, Co. Kerry, 1970
Die Tiere warteten geduldig auf ihren nächsten Kunden während die Regenwolken über die Berge in der Ferne hereinkamen. Ich machte dieses Bild am frühen Morgen, nachdem ich in der Nacht in den nahen Sanddünen gecampt hatte. (RF)

 

 

Ein Sarg-Macher vermisst einen Kunden in seiner Schmiede, Co. Kerry, 1985
„Er war ein sehr angesehener Handwerker in seiner Gemeinde und reparierte alle möglichen Farm-Werkzeuge. Er war gleichzeitig der örtliche Bestatter. Ich erinnere mich, dass es draußen fürchterlich regnete, so genoss ich natürlich die Wärme und das Geräusch des Blasebalgs über dem Feuer. (RF)

 

 

Melkzeit, Co. Waterford, 1990
„Mitten auf der Landstraße auf einem Stuhl sitzend, ließ sich dieser Mann auch durch möglichen Verkehr nicht davon abhalten, seine Kuh zu melken. Ich fotografierte diesen Mann und seine Kuh während der abendlichen Melkzeit. Er gab seinen Kühen ab und zu die Möglichkeit, das frische Gras am Straßenrand zu fressen. In Irland wurde dies oft „The Long Acre“ genannt.“ (RF)

 

 

Eine Gruppe Esel wartet neben plaudernden Farmern auf ihren Verkauf auf der „Puck Fair“, Co. Kerry, 1971

 

 

Drei Männer holen ein Currach an Land, Achill Island, 1985
„Wie eine seltsame sechsbeinige Kreatur kam dieses schwarze, umgedrehte Currach vom Meer auf mich zu. Die Männer hatten gut zu tun mit dem Gewicht über ihren Köpfen und schwankten vor und zurück. Ich hatte meine Rolleiflex Kamera zwischen die nassen Steine gestellt, um aus einem möglichst tiefen Aufnahmewinkel auch die Regenwolken noch mit auf das Bild zu bekommen.“ (RF)

 

Beaching the Currach-Achill Island-1985, by Richard Fitzgerald.
“Resembling a strange creature with six legs, the black upturned currach came crawling from the sea, the men swaying to and fro with the weight above their heads. I buried my Rollieflex camera amongst the wet stones to get the lowest possible angle of view against a rain-filled sky.” RF.

Fotograf Richard Fitzgerald während eines Shootings in seinem Londoner Studio

Richard Fitzgerald stammt aus Tramore im County Waterford. Er fotografiert seit 1966 Menschen für Magazine. Er arbeitet in seinem Fotostudio in London, seine Bilder wurden in vielen Galerien ausgestellt. Seine Liebe zum Heimatland Irland ist immer geblieben, seit den frühen 1970er Jahren fotografiert er die Insel. Einige seiner Aufnahmen wurden in den Büchern „Vanishing Irland (mit Texten von Edna O’Brien) und „Ireland: The Parting Glass“ veröffentlicht. Diese Bilder sind für ihn auch immer Erinnerungen an seine eigene irische Kindheit und wie er Irland wahrgenommen hat.

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Alle Fotos: Richard Fitzgerald, mit freundlicher Genehmigung des Currach Verlags, Dublin.

Von | 2018-04-20T14:55:30+00:00 26. März 2018|0 Kommentare

Über den Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten erleben.

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