Das alte Licht am Fastnet Rock muss bleiben!?

 

Leuchtturm Irland

Leuchttürme haben dem Menschen 2500 Jahre lang den Weg gewiesen. Im Foto der Leuchtturm von Fanad Head.

Leuchttürme wie der Fastnet Rock faszinieren uns Menschen tief in unserem Inneren. Sie ziehen uns an und beflügeln unsere Phantasie. Sie stillen unsere archaisches Bedürfnis nach Richtung, Klarheit und Sicherheit. Sie erhellen die Nacht und ermöglichen in schwerem Wetter Orientierung. Sie zeigen uns, wo es sicher list und wie wir uns bewegen müssen. Seit zweieinhalbtausend Jahren baut und nutzt der Mensch an der Schnittstelle von Meer und Festland Licht gebende Häuser und Türme. Erst seit ein, zwei Jahrzehnten nimmt die Bedeutung der Leuchttürme rapide ab – die moderne Satelliten-Navigation löst die alte Technik der Lichtsignale ab.

Wir wollen es noch nicht so richtig wahrhaben. Zwar wurden schon vor einigen Jahrzehnten die Leuchtturm-Wärter dieser Welt allesamt in den Ruhestand geschickt, und die Lichtanlagen auch in den entferntesten Winkeln der Erde werden längst über Datenkabel zentral in den Metropolen der Welt gesteuert, Die Leuchttürme aber brennen nachts weiterhin. Mittlerweile leuchten sie vielerorts jedoch mehr den Touristen an Land als den Navigatoren draußen auf hoher See. In vielen Türmen kann man sein Feriendomizil aufschlagen, in manchen kann man gut essen und in einigen kann man/frau sogar heiraten. Und nun werden die teils um die 100 Jahre alten gewaltigen Lichtanlagen auch noch ersetzt – durch preiswerte, oft durch Solarstrom betriebene LED-Lichter.

Der Fastnet Rock Leuchtturm

Modern Irish Lights. Der Modernisierungswillen der irischen Leuchtturm-Betreiberbehörde Commissioners of Irish Lights hat nun im äußersten Südwesten Irlands einen bizarren Streit ausgelöst. Die Commissioners of Irish Lights wollen umweltfreundlicher werden und am berühmten Fastnet Rock-Leuchtturm, dem südlichsten Stück Irland,  künftig moderne Lichttechnik einsetzen. Im Sommer wollen die Licht-Kommissionäre das alte Fastnet-Rock-Licht durch eine zeitgemäße LED-Anlage ersetzen. Alte Technik aus den Jahren 1904 bis 1969 würde durch umweltfreundliche HighTech ersetzt. Die Vorteile wirken beträchtlich: Statt 1000-Watt-Lampen könnten ab Sommer 30-Watt-Leuchtmittel eingesetzt werden. Der Verbrauch von 13.000 Liter Diesel pro Jahr, das die Strom-Generatoren auf dem Inselfelsen befeuert, könnte perspektivisch auf null gesenkt werden. Die Betriebsskosten würden auf weniger als die Hälfte sinken und die Luft am Fastnet Rock bliebe endlich rein. Auch auf den Einsatz von Quecksilber – im Laternenraum des Leuchtturms lagern über 30 Liter der gefährlichen Substanz – könnte verzichtet werden.  Aber . . . . 

Das neue Licht wäre weißer als das existierende. Es käme nicht mehr aus dem alten Leuchtraum, sondern von der Spitze des Turmes. Der neue Lichtstrahl wäre schmaler als der alte, und die Strahlweite des neuen LED-Lichts betrüge statt bisher 27 nautische Meilen nur noch 18 (eine nautische Meile entspricht 1,852 Kilometern). Und deshalb fordern nun örtliche Politiker und selbst ernannte Bürger-Anwälte Denkmalschutz für den alten Fastnet-Lichtstrahl. Die Wahlkreisabgeordneten für West Cork im irischen Parlament bemühen große Worte: Das Licht des Fastnet Rock, das vielen Generationen von Menschen sicheres Geleit gegeben habe, sei eine unersetzbare Ikone. Sie fordern Bestandsschutz für dieses Leuchtfeuer der Hoffnung. Sie alle appellierten an den Projektbeauftragten der Irish Lights, Captain Robert McCabe, die Entscheidung zu revidieren und dem alten Lichtstrahl des Fastnet eine Zukunft zu geben. Dabei wurde nicht in frage gestellt, wie alt die aktuell genutzte Lichtanlage tatsächlich ist. Offensichtlich wurde die alte Paraffin-Dampflichtquelle  im Jahr 1969 elektrifiziert, also stammt das aktuelle Licht nicht aus der Zeit der Inbetriebnahme des zweiten Leuchtturmes auf dem Fastnet Rock im Jahr 1904, sondern ist weniger als 50 Jahre alt.

Der Fastnet Rock vom Boot aus gesehen

Fastnet Rock. Die Legende. Der weiße Leuchtturm auf dem Fastnetfelsen gilt als bekanntester Leuchtturm Europas und als einer der berühmtesten weltweit. Das liegt nicht nur an der gleichnamigen Segel-Regatta, die im Jahr 1979 vor der Küste von West Cork von einem Monstersturm zerlegt wurde. Eine Bootsfahrt um den Inselfelsen zählt an ruhigen Tagen zu den Höhepunkten jeder Irlandreise. Der markante Felsen südlich des Mizen Head ist zugleich der südlichste Punkt Irlands und das Wahrzeichen von West Cork. Der Rock ist die höchste Stelle eines mehrere Kilometer langen Unterwasserriffs. Er liegt 6,5 Kilometer von der Insel Cape Clear und 13 Kilometer vom irischen Festland entfernt.


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Im Irischen heißt der Fastnet Rock „Charraig Aonair“, einsamer Felsen. Der Begriff “Fastnet”  leitet sich aus dem Alt-Norwegischen ab und bedeutet scharfer Zahn. In der jüngeren Geschichte Irlands wurde der Fastnet Rock als “Ireland´s Teardrop” bekannt, als Träne Irlands: Die meisten Schiffe, die seit der großen Hungersnot ab 1845 irische Auswanderer nach Amerika transportierten, segelten am Fastnet Rock vorbei, bevor sie den offenen Atlantik erreichten. Der Fastnet Rock war das letzte, was die Menschen von ihrer Heimat sahen – so manche Träne wurde dort zum Abschied vor der großen Transatlantik-Passage vergossen. Der heutige Leuchtturm – eine Konstruktion aus über 2000 mächtigen Granitblöcken aus dem Cornwall – wurde vor über einem Jahrhundert, am 27. Juni 1904 in Betrieb genommen. Er ersetzte mehrere Vorgänger, die sich in den wilden Winterstürmen in Irlands Südwesten als zu schwach erwiesen hatten und den Wellen nicht stand hielten.

Die Südwestküste am Mizen Head gilt als eine der gefährlichsten Seefahrtspassagen Europas. Am Mizen sind hunderte Schiffe auf Grund gelaufen oder an den Felsen zerschellt. Es gab also gute Gründe, auf dem Fastnet Rock einen dauerhaft gut funktionierenden Leuchtturm zu installieren. Die Arbeit der Ingenieure und Arbeiter aus den Jahren 1897 bis 1904 gilt bis heute als beispielhaft. Immerhin steht der 54 hohe weiß bemalte Turm bis heute unbeirrt in der tosenden See. Er überstand den Angriff einer 48 Meter hohen Monsterwelle im Jahr 1985 genauso wie den Monstersturm Ophelia am 16. Oktober 2017. An jenem Tag wurde am Fastnet die Rekord-Windgeschwindigkeit von 191 Stundenkilometern gemessen . . .

Also, was meint Ihr? Macht der Denkmalschutz für das alte Licht am Fastnet Rock Sinn. Hat Sentimentalität Vorrang vor Umweltschutz? Oder ist der Lichtstrahl des Fastnet-Leuchtturms tatsächlich ein Stück regionales Kulturerbe am Mizen, das man unbedingt erhalten muss? Kommentare (s.u.) sind wie immer erwünscht!

Fotos: Markus Baeuchle / Wanderlust, außer: Titelfoto: Rita Wilson für Tourism Ireland

Von | 2018-03-28T09:06:15+00:00 21. März 2018|5 Kommentare

Über den Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten erleben.

5 Kommentare

  1. Maggie 21. März 2018 um 9:06 Uhr - Antworten

    13.000l Diesel, 30l Quecksilber… Ich finde, das sind schon gute Gründe für eine Erneuerung.

    Ich bin ja selber nostalgisch und befürworte nicht blind jeden Fortschritt. Aber man muss manchmal auch Prioritäten setzen und unsere Umwelt ist in dem Fall doch wichtiger. Der Leuchtturm bleibt ja an Ort und Stelle und er soll auch weiterhin leuchten. Gerade Irland ist ja nicht unbedingt der Vorreiter, was Umweltschutz angeht, da ist es doch eigentlich begrüßenswert, wenn sich mal was tut (auch wenn es noch ganz andere Baustellen diesbezüglich gibt).

  2. Frank 21. März 2018 um 9:54 Uhr - Antworten

    Sofern die kürzere Strahlweite aus nautischer Sicht ausreicht, wäre ich zugunsten des Umweltschutzes auch für die Modernisierung mittels LED.

    • Markus Baeuchle 21. März 2018 um 11:21 Uhr - Antworten

      Ja, alle Seiten stimmen überein, dass die 18 Meilen völlig ausreichen werden, um die Sicherheit der Schiffe wie bisher zu garantieren.

  3. Gerd 21. März 2018 um 12:16 Uhr - Antworten

    13000 L Diesel entspricht ca. 10 t; der aktuelle Weltmarktpreis liegt bei ca. EUR 500 / t, Tendenz steigend. Hinzu kommen vmtl. mindestens ähnlich hohe Transport- und Wartungskosten für Diesel und Aggregat, so daß die Umrüstung auf LED-Betrieb Betriebskosten in Höhe von sicherlich EUR 10 000 oder mehr pro Jahr einspart. Bei einer anzunehmenden Betriebsdauer des neuen Systems von 30..50 Jahren dürfte auch eine gewisser Aufpreis zu verschmerzen sein, wenn die LED-Scheinwerfer wieder im alten Leuchtraum installiert werden. So wären die Kritiker besänftigt und die schöne Insel könnte noch ein wenig grüner werden…

    • Markus Baeuchle 22. März 2018 um 10:45 Uhr - Antworten

      Die Betriebskosten ohne Kapital pro fünf Jahre sind derzeit 130.000 Euro. Die Irish Lights rechnen mit einer Kostenreduzierung um mindestens 50 Prozent. Wobei betont wird, dass es nicht um Kostensparmaßnahmen geht, sondern um Umweltschutz.

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