Unterwegs mit Bus Eireann. Diese Woche lernte ich, dass man auch im trinkfreudigen Irland den Linien-Bus nicht mit dem Pub verwechseln darf. Der fröhliche Zecher begrüßte mich beim Zusteigen am Busbahnhof in Cork mit Machogruß und ließ mich sofort wissen, dass die Dame neben ihm ein wenig verrückt sei. Dann fiel ihm die Plastiktüte mit den Flaschen um. Klingeling.

Den zu zwei Dritteln besetzten Bus informierte der nIcht mehr ganz junge Mann ganz hinten auf der Rückbank von der Sause der vergangenen Nacht. Nun war es fast zwei Uhr nachmittags und seine Stimmung hielt sich weiter in heitersten Dimensionen. Mit sonorer Stimme und südostirischem Gossenslang unterhielt der Zecher vor allem sich selbst. Biertrinkend, singend, klagend, fluchend: „Ooh, where the f*** is me banking card gone?“

Der Mann hielt bis Waterford durch. Und wir mit ihm. Zwei Stunden und 20 Minuten Gegröle, das man bis zum Fahrer hörte. Der hatte schließlich die Ohren voll und schritt bedrohlich groß durch den engen Gang. Freundlich und doch druckvoll und bestimmt wies der Fahrer den Zecher auf das Trinkverbot in öffentlichen Bussen hin, nahm ihm die halb volle Bierflasche („Stella“) ab und stellte für den Wiederholungsfall den Bus-Verweis in Aussicht. Nix Sláinte im Linienbus.

Der Zecher klagte nun fröhlich vor sich hin (“Is this f***ing prison?”) und sang unter seinem Kopfhörer in den lautesten Tönen. Der Busfahrer kam zwei Haltestellen später noch einmal zur Kontrolle vorbei, setzte vorsichtshalber eine zweite Drohung ab, beließ es dann bei der Gelben Karte für den blauen Gast. In Waterford schwebte der Mann mit der klingelnden Plastiktasche und einem frisch geöffneten Bier in der Hand aus dem Bus und verschwand.

Bewundernswert die Engelsgeduld der mitreisenden Fahrgäste. Nicht ein Kopf drehte sich auch nur ein einziges Mal nach hinten um. Kein Zucken, kein Wort, kein Laut. Geduld und Toleranz auf Irisch. Oder war es nur Angst?

Foto: Markus Bäuchle