Inseln Irlands

Inishfarnard, nur ein Katzensprung vom Kilkatherine Point entfernt, in der Kenmare Bay im Nordwesten von Beara.

 

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 31)

von Peter Bernhardt* 

Heute erzählt Peter Bernhardt die Fortsetzung der Geschichte der kleinen Insel Inishfarnard in der Kenmare Bay und die Story der Familie O`Sullivan, die dort gelebt hatte und nach Butte Montana in den USA auswanderte. (Teil 1 ist hier zu lesen)

 

Ciara Ní Riain ist eine junge Doktorandin am University College Cork. Sie unterrichtet aber auch Irisch an einer Schule in Butte/Montana/USA, was ich sehr erstaunlich finde. Zeigt es doch, daß es in Butte immer noch eine sehr große irische Gemeinde gibt, die ihre Wurzeln in Irland nicht vergessen hat und dass es Eltern gibt, die ihre Kinder eine Sprache lernen lassen, die nur noch in den irischen Gaeltacht gesprochen wird. Ciara hatte bei ihren vielen Aufenthalten in Butte Gelegenheit, das Stadtarchiv nach Vorfahren aus Irland zu durchstöbern und fand einen ganz besonderen „Fall“! Hier die Geschichte der Familie O’Sullivan von der kleinen Insel Inishfarnard im Süd-Westen vor der Beara Peninsula.

Über die Besiedlung dieser Insel Inishfarnard habe ich schon im ersten Teil der Geschichte geschrieben und sie begann mit Dan O’Sullivan. Dan heiratete Maura, die vom Festland kam. Ihr Sohn Seana Mhicheal (später bekannt als: Old Michael) war das erste Kind, das auf der Insel geboren wurde, um 1820. Auch seine Frau Catherine war mutig genug, ein Leben auf so einer kleinen Insel aufzunehmen. Seana bestritt seinen Lebensunterhalt mit Fischerei und übernahm später auch einen Lotsendienst für Kohle-Boote, die die Bay bis Kenmare heraufkamen.

Seanna und Catherine bekamen 6 Kinder. Donal war das 3. Kind der beiden. Sein Sitzname war „Donaileen an Oileain“, das bedeutet: Klein-Donal von der Insel. Donals Geburtstag war im März 1853, er ist der Einzige, der auf der Insel blieb, seine Geschwister zog es aufs Festland. Es war die Zeit, in der in Allihies die Kupfer-Minen eröffnet wurden, viele junge Menschen machten sich auf, um dort das Geld zu verdienen, was sie benötigten, um unter anderem die jährliche Pacht bezahlen zu können.

Die Insulaner haben die Zeiten der großen Hungersnot (zwischen 1845 und 1849) relativ gut überstanden, weil sie weitgehend von der Kartoffel-Fäule verschont blieben und ihre Ernährung mit Fisch ergänzen konnten.

Auch Donal fand eine Partnerin, Nora, eine Frau vom Festland. Und auch sie hatten 6 Kinder. Über den Zweitgeborenen Seán, geboren am 20. Juni 1882, möchte ich ein wenig mehr berichten. Diesen Seán hat Ciara, die Doktorantin im Archiv von Butte aufgespürt.

Inisfarnard People

Séan Irish O’Sullivan

Seán Irish, wie er in Butte genannt wurde, war einer von vielen Iren von der Beara-Halbinsel, die sich nach Butte in Montana aufmachten, auf der Suche nach einem besseren Leben. Um 1900 hatte Butte 12.000 Einwohner irischer Abstammung bei einer Bevölkerung von 47.635. Unter diesen vielen Auswanderern ist das Leben von Seán in Butte eine einzigartige Geschichte. Seán ist auf Inishfarnard nie in eine Schule gegangen, konnte also weder lesen noch schreiben. Da man sich aber in diesen Zeiten an langen Winterabenden auf der Insel mit Singen, Geschichten- und Gedichtenerzählen die Zeit vertrieb, natürlich alles auf Irisch, wurde er in Butte von seinen Landsleuten mit offenen Armen empfangen.

Schnell lernte er Englisch, Lesen und Schreiben und arbeitete sich vom einfachen Hilfsarbeiter nach oben, wurde „Ingenieur“ und war aktiv in der Gewerkschaft, was der Minenleitung nicht gefiel, denn Sean setzte sich energisch für seine Leute ein. Es wird erzählt, daß er eines Tages die britische Fahne, die ein britischer Minenleiter hat hissen lassen, wieder einholte, weil er es nicht ertragen konnte, dieses Symbol der Unterdrückung in Irland, täglich vor Augen zu haben. Das hat zu seiner Entlassung geführt.

Sean war ein sehr religiöser Mann, belesen und Vielem aufgeschlossen. Er unterrichtete die Kinder der irischen Minenarbeiter in Irisch und verfaßte hunderte von Gedichten auf Irisch. Das brachte ihm auch den Spitznamen „Sean Irish“ ein. Seine Gedichte hatten oft einen politischen Inhalt.

Als Eamonn de Valera, später der erste irische Präsident, im Juli 1919 in den USA weilte, kam er auch nach Butte, um sich dort in der großen irischen Gemeinde für die überaus großzügige Sammelaktion zu bedanken. Die Us-Iren unterstützten mit diesen Geldern den Unabhängigkeits-Kampf im Heimatland. De Valera traf sich natürlich auch mit Sean Irish, den er bei seinen Bemühungen unterstützte, seine irischen Gedichte in Buchform herauszubringen.

Inishfarnard People

Séans und Josephines Grab in Butte, Montana

Séan’s Haus stand in den Folgejahren vielen prominenten Besuchern offen. Er empfing unter anderem Countess Markievicz (irische Nationalistin – beteiligt am Osteraufstand 1916), Mrs. Pearse (Schwester von Patrick Henry Pearse, der zu den Anführern des Osteraufstands von 1916 gehörte und zum Tode verurteilt wurde), Mrs. Tom Clark (die Witwe von Thomas James Clarke, einer der Hauptorganisatoren des Osteraufstandes), Father Michael O Flanigan (ein katholischer Priester, Republikaner und Mitglied in der Sinn Féin Partei), Hannah Skeehy Skeffington (Johanna Mary „Hanna“ Sheehy Skeffington war eine Suffragette und eine irische Nationalistin), Frank Aiken (ein irischer Politiker der Fianna Fáil, stellvertretender Premierminister (Tánaiste) sowie langjähriger Außenminister.) und Bishop Galvin, der Gründer der Missionsgesellschaft von St. Columban.

Séan heiratete in Butte Josephine (Murphy), die Tochter einer irischen Einwanderer-Familie von der Beara Halbinsel. Sie bekamen 3 Kinder. Eamonn DeValera, benannt nach dem 1. irischen Präsidenten, Mary Veronica und John Patrick Sarsfield. Beide