Irischer Sonntag: Die „geklaute“ Stunde ist, wie manche meinen, gerade zurück erstattet worden. Die Zeit steht auf Winter. Während es sich in der deutschen Herbstssonne noch einmal wie im Sommer schwitzen ließ, ist hier in Irland der Herbst endgültig eingezogen. Der Wind bläst vom Atlantik, bringt Regen. Doch es bleibt recht mild auf der anderen Seite des Fensters. Kein Grund, im Haus zu bleiben.

:: :: ::
Gestern war ich aus — und erlebte einen neuen kulinarischen Höhepunkt der Kategorie „Interessant!“ Das Gasthaus, das hier nicht weiter angepriesen werden soll, ist mir wegen seines „einzigartig“ komponierten Chicken Curry in Erinnerung geblieben: Curry mit Reis und Pommes. Was die Engländer erfanden, um es der Welt als indische Spezialität zu überlassen, wird im kartoffelhungrigen Irland mit der Fritten-Note variiert. Why not. Gestern nun „Vegetarian Curry“ — Pommes, Reis, Pilze, Karotten und Rüben. Sehr interessant. Es lebe das Original Oirish Farmer Curry. Nach dem zweiten Pint beschossen wir übrigens, der Political Correctness, hier auch bekannt als PC, definitiv den Kampf anzusagen und die Freiheit und den Spaß in unser gesprochenes Leben zurück zu holen. Ich erzähle deshalb den einzigen Witz, den ich mir derzeit merken kann — mit dem Hinweis: PC-Freaks bitte weiter-klicken.
Also, es ist in diesen Zeiten wieder viel von der Liebe die Rede — und auch von der wohl reinsten Form dieser edelsten aller menschlichen Empfindungen und Handlungsmotive: der bedingungslosen, unbedingten, vorbehaltslosen Liebe („Unconditional Love“). Wer nun wissen will, was bedingungslose Liebe wirklich ist, der sperre seine(n) Lebenspartner(in) und seine(n) Hu(e)nd(in) eine Stunde lang in den Kofferraum seins/ihres Autos. Wer den Deckel nach einer Stunde wieder öffnet, weiß bescheid. Und ich bin wirklich stolz auf die gender-neutrale Formulierung dieses Satzes. Doch zurück nach Irland.
:: :: ::

Martin O`Flynn und Frau Yvonne fahren unbeirrt das alte Gegenprogramm zur schnöden Erdöl-Kunststoff-Plastikwelt: Die Bio-Bauern leben und arbeiten hoch über dem Borlin-Tal. Sie stellen in mühevoller Handarbeit Körbe aus Weidenruten her. Sie sind Korbmacher — und trotzen der Billig-Konkurrenz aus Ländern der Dritten Welt. Der Korb, eine kunstvolle Kreation aus Holz, hält viele Jahre, ist pflegeleicht, schön anzusehen — und leider fast völlig aus der Mode gekommen. Oder geht Ihr noch zum Korbmacher ganz in Eurer Nähe? Wir waren gestern dort. Martin (unten) zeigt das Ergebnis seiner aktuellen Arbeit.
In diesem Sinne einen schönen Oktober-Sonntag. Der Wanderer.
Fotos (3): Markus Bäuchle / Wanderlust


Hinterlasse einen Kommentar