Sharon Shannon Live in Cluin

Sharon Shannon Live in Cluin

Irischer Sontag & Sharon Shannon. Noch etwas müde vom Community-Abend in Cluin. Die Cahermore National School in der Gemeinde Allihies hatte zum Fundraiser geladen. In der nasskalten Samstagnacht, einer dirty old Saturday night, gab es in der Gemeindehalle von Cluin Spaß, Drink, eine typisch irische Tombola und — einen Weltstar: Sharon Shannon. Die Musikerin aus Corofin, County Clare, auch bekannt als Galway Girl, war mit Alan Connor an die Spitze der Beara Peninsula („heaven on earth“) gekommen, um die Benefiz-Veranstaltung für die Grundschule mit dem besten Ausblick in Irland zu unterstützen (Die Schüler sehen vom Klassenzimmer direkt auf den weiten Atlantik — was sie wohl deutlich weniger beeindruckt als uns . . . ).

Sharon Shannon

Sharon Shannon und Alan Connor unterm pinkfarbenen Show-Himmel zwischen Ladies und Gents

Das gibt es wohl nur in Irland: Top-Stars sind sich nicht zu schade, auch auf dem Land zu spielen, in Pubs, Gemeindehallen, Zelten. Die 47jährige Sharon Shannon ist eine Virtuosin auf der Box, dem irischen Knopf-Akkordeon, sie beherrscht zudem die Geige und die Flöte wie nur wenige auf der Insel. Sharon steht für die traditionelle irische Musik, die sie in moderner und aktuell gängiger Verpackung präsentiert. Das gelingt ihr besonders gut im Duett mit dem jungen Keyboarder und Gitarristen Alan Connor, der mit Händen und Füßen spielt und wie ein alter Straßenmusiker mit vollem Körpereinsatz und Loop-Pedal eine ganze Band ersetzt.

Vollversammlung: Die Cluin Community Hall

Vollversammlung: Die Cluin Community Hall

Der einstige Bergwerksort Cluin war bis ins späte 19. Jahrhundert eine lebhafte Gemeinde mit über 3000 Einwohnern. In der Zeit, als die Kupferminen oben im Berg noch arbeiteten, wohnten vor allem Bergarbeiter aus Wales im Ort. Der Bergwerkbetrieb wurde 1912 eingestellt, als der Kupferpreis auf den Weltmärkten stark nachgab, und die Karawane zog weiter.  Seitdem ist Cluin, der von Besuchern gerne mit dem Namen der Gesamtgemeinde Allihies gleichgesetzt wird, ein beschauliches Dörfchen mit vielleicht 200 Einwohnern. Es lebt vor allem vom Tourismus, von Landwirtschaft, einigen Pendler-Jobs, dem Geld von Zugezogenen und von staatlicher Unterstützung.

Ecki Krupp Allihies

Ecki Krupp und die jungen Musiker der Cahermore NS

Die Cahermore National School wiederum, 1979 gebaut als Grundschule für die Gemeinden Cluin, Cahermore und Lehanmore, kämpft seit Jahren erfolgreich ums Überleben. Die Schülerzahlen sind unter die Zahl 50 gesunken, und das Geld ist immer knapp. Doch wie man auch am Samstagabend sah: Die Gemeinde weiß sich zu helfen, und sie engagiert sich für ihre Schule. Jeder weiß: Wenn erst einmal die Schule schließt, dann ist es vorbei mit dem Gemeindeleben, dann bröckelen die Bevökerungszahlen weiter, und andere Einrichtungen wie Shop, Pub, Post und Kirche folgen. Also packt man kräftig an.

Paudy O`Sullivan. Principal

Gruppen Foto mit Musikern, Schülern, Schulleiter Paudy und Lehrerinnen

Sharon Shannon und Alan Connor haben einigen hundert Leuten in der Community Hall von Cluin richtig eingeheizt, und das sind meine Eindrücke von einem wundervollen Abend in der irischen Gemeinde, die am weitesten von der Hauptstadt Dublin entfernt ist: 394 Kilometer:

  • Sharon Shannon GeigeSharon Shannons virtuoses Akkordeon-Spiel sucht in Irland seinesgleichen. Die unprätentiöse Akkordeonistin und  Multi-Instrumentalist Partner Alan Conor spielen in Cluin unter pinkfarbenem Tüll zwischen „Ladies“ und „Gents“ einen fabelhaften Gig.
  • Sie reißen die immer ein wenig zurückhaltenden Leute aus West Cork von den Sitzen. Zum Tanzen bringen sie sie nicht. Sharon versucht es wiederholt, die Leute zum Mittanzen zu bewegen, doch das ländliche Irland scheint das Tanzen verlernt zu haben. Nix mehr mit Irish Dancing. Nur die Kinder des Dorfes lassen sich von der Musik vollends faszinieren und setzen Begeisterung in Tanzbewegung um (und ich selber bin leider auch Sing- und Tanzmuffel . . . ).
  • Zwölf Schüler der Cahermore NS spielen und singen unter der Leitung ihres Musiklehrers im Vorprogramm irische Traditionals. Die muskalische Tradition des Landes pflegt übrigens nicht etwa ein Ire: Der deutsche Musiker Ecki Krupp bringt den Kindern von Allihies das Musizieren bei, spielt mit ihnen Jigs und Reels und führ sie ein in die Welt der Traditional Irish Music. Die gilt nicht allen Iren viel in diesen Jahren, und so muss eben der Blow-in ran. Ecki Krupp, mittlerweile 53 Jahre alter Spross einer Kölner Kohlenhändler-Dynastie, kam nach einem kurzen Abenteuer als Kneipenwirt („Durst“ in der Kölner Weidengasse) Mitte der 90-er Jahre nach Irland und ist immer noch hier. Er hat Familie und lebt von der Musik. So paradox es klingt: Die Iren können froh sein, ihn zu haben, denn sie selber geben ihre kulturellen Traditionen derzeit allzu leicht preis. (Anders gesehen: Was stellen wir Deutschen und Schweizer mit unserer eigenen Volksmusik und unserem Volkstanz an? Mögen wir ihn? . . . )

Die Cahermore-Schule sammelt an diesem Abend alleine mit der Tombola 1260 Euro ein, und das Publikum freut sich über schöne Preise: die üblichen Geschenkkörbe, Hochprozentiges, Heizöl-Gutschein und Bargeld, aber auch Tickets für klasse Konzerte in Cork und Dublin.
Am Ende versammeln sich Schulleiter Paudy O`Sullivan, die Lehrer, die Musiker und einige Schüler zum Gruppen-Foto unter dem pinkfarbenen Show-Himmel. Klick. Gut. Schön wars. Die Schule lebt, die Gemeinde lebt, und die Traditional Irish Music auch. Irgendwie.

In diesem Sinne einen schönen Sonntag. Der Wanderer

Alle Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust

PS: Hier ein Video „Sharon Shannon und Alan Connor live“ :