Glengarriff Ghouls

 

Halloween 2021. Jetzt hat auch unser kleiner Ort Glengarriff sein Halloween-Festival. In der Woche vor Allerheiligen prägt eine Armee menschenähnlicher Figuren das Dorfbild. Glengarriff Ghouls nennt sich das Event, die Straße gehört demnach für ein paar Tage den Grabräubern und Leichenfledderern. Mit der irischen Tradition von Halloween oder gar Samhain hat dies alles zwar nicht viel zu tun – aber immerhin haben sich die Gemeinde-Aktiven im Internet umgesehen, was man denn so machen könnte, um den Gemeinschaftsgeist zu stärken und in der ruhigen Zeit ein paar Gäste und Touristen ins Dorf zu locken.

 

Halloween Glengarriff

Vor gut einem Jahrzehnt haben einzelne Gemeinden in Irland damit begonnen, Halloween-Festivals auszurichten. Man hatte sich in England, in Texas oder Ohio schlau gemacht. Seitdem lassen irische Dörfer und Städte Ende Oktober für ein oder zwei Wochen die Puppen tanzen. Ganze Schulklassen, lokale Ladenbesitzer und Wirte betätigen sich als kreative Bastler. Heraus kommt ein wilder kultureller, ein geschichtsvergessener und stark kommerziell angerührter Unterhaltungs-Mix, finanziert von der Tourismusförderung und von gewerblichen Sponsoren, der einem das Gruseln lehren kann. Genau das passiert, wenn ein vor langer Zeit ausgewanderter Brauch als Geschäftsidee aus den USA und aus Großbritannien reimportiert wird.

 

Vom Scarecrow-Festival, das die Gemeinde Durrow im County Laois im Jahr 2010 nach englischen Vorbildern als Sommerfestival „erfunden“ hat, zogen die Vogelscheuchen bald aus, um ganz Irland zu erobern. Die menschenähnlichen Strohpuppen, Scarecrows oder Vogelscheuchen, mutierten in Orten wie Leap im County Cork schnell zu herbstlichen Halloween-Geistern. Heute bilden sie zusammen mit Kürbiskopf-Männern, mit Zombies, Geistern und anderen Untoten, ja selbst mit  protestantischen Guy-Fawkes-Masken, die gängige Grusel-Kombo für Halloween.

 

Halloween Glengarriff

 

Halloween selber ist zur beliebigen „Gruselnacht“ geworden, geprägt von Wegewerfkostümen, Bergen von Schokolade, Süssigkeiten und hohlen amerikanischen Kürbissen. Das Grauen und Gruseln stellt sich zuverlässig ein – allerdings nicht vor Spinnen-Netzen aus dem Zwölferpack, vor roter Tinte oder Plastik-Gebeinen aus dem Supermarkt.

Wie kulturbewusste Traditionalisten über das zeitgenössische Irish Halloween denken, hat die irische Journalistin Melanie McDonagh im englischen Evening Standard einmal so beschrieben:

„Ich bin ein Snob, wenn es um Halloween geht, weil ich damit aufgewachsen bin. In Irland war es in der Tat so etwas wie ein Fest des Unfriedens – die Nacht davor hieß „Banging Night“, weil man an die Türen der Leute geklopft hat und weggelaufen ist – und natürlich war es eine Zeit, die mit Geistern und Toten in Verbindung gebracht wurde, denn Allerseelen stand unmittelbar bevor.

 

 

Es war die Zeit, in der man sich mit alten Mänteln, Hüten und einer Maske verkleidete und zu den Nachbarn ging, um einen Penny für den Bobbin‘ (das Wasserbecken, in das man nach Äpfeln oder Geld tauchte) zu erbitten; man bekam Äpfel, Nüsse oder Kleingeld. Aber es war nicht die Art von Gruselnacht, wie wir sie heute kennen, gekreuzt mit einer Schokoladenorgie. Es war völlig unkommerziell.

Schokolade gab es bei unseren Feiern nicht. Gegessen wurde etwas anderes: Barm Brack, ein Hefebrot mit Früchten, das man in Scheiben geschnitten und mit Butter bestrichen aß. Man kann es immer noch in irischen Supermärkten kaufen. Und das Entscheidende war, dass es einen Ring enthielt, und wer den Ring bekam, war der nächste, der heiratete. . . .