
Düstere Aussichten: Wachstumsprognose für Irland wird gesenkt

Ein Jahr Bailout – 45 Prozent mit der Regierung unzufrieden

Dublin will Feuerwehr-Einsätze in Rechnung stellen
In ihrem Bemühen, ihre Ausgaben mit dem Budget in Einklang zu bringen, kommen die Städte und Gemeinden auf recht abstruse Ideen. Die Stadt Dublin erwägt, Einsätze der Feuerwehr künftig in Rechnung zu stellen. Bei einem Hausbrand zum Beispiel soll die erste Stunde Einsatz künftig pauschal 500 Euro kosten, danach wird je weitere Stunde und je benötigtem Löschfahrzeug abgerechnet. Dublin Fire Brigade hält von dem Vorschlag wenig. Ihre Sorge: Die zu erwartenden hohen Kosten für das Anfordern eines Löschzugs könnten Betroffene ohne eine entsprechende Versicherung dazu verleiten, einen Brand zunächst auf eigene Faust zu bekämpfen, was die Sache womöglich noch schlimmer machen würde. (Quelle: Irish Times)
Irischer Cannabis stärker und gefährlicher
Cannabis ist die am meisten verwendete illegale Droge in Irland. Der Großteil wird aus dem Ausland bezogen. In zunehmendem Maße wird Cannabis aber auch direkt in Irland angebaut. Das National Advisory Committee on Drugs (NACD) warnte diese Woche, dass der heimische Cannabis ein größeres gesundheitliches Risiko darstelle. Proben aus illegalen Anbauten in Limerick, Cork, Tipperary, Dublin und anderen zeigten, dass der Anteil an Tetrahydrocannabinol (THC), der Hauptwirkstoff der Droge, besonders hoch sei. Zugleich sei der Anteil an Cannabidiol (CBD), das die Wirkung von THC mildert, geringer. Die Folge: Irischer Cannabis ist wesentlich stärker als importierter, der speziell für den Export angebaut werde und weniger stark sei. Frühere Studien in England ergaben, dass Konsumenten von zu starkem Cannabis häufig Psychosen entwickeln. (Quelle: Irish Times)
Irischer Whiskey ist weltweit gefragt
3,4 Millionen Fässer Jameson Whiskey wurden in den zwölf Monaten bis Ende Juli weltweit abgesetzt. Irlands flüssiger Exportschlager ist beliebt wie nie zuvor. Der Getränke-Multi Irish Distillers Pernot Ricard (IDPR), der auch die Marke Jameson vertreibt, gab diese Woche bekannt, dass aufgrund der großen Nachfrage alle Produktionskapazitäten ausgeschöpft seien. Nun will man 100 Millionen Euro in den Ausbau der Destillerie in Midleton, Co. Cork, investieren. Dabei sollen 60 neue Arbeitsplätze entstehen. Na, darauf kann man doch einen trinken: Sláinte. (Quelle: The Journal)
Initiator von Knock Airport soll Denkmal erhalten
Als 1981 auf einer einsamen Hochebene unweit des Pilgerorts Knock die Bagger anrollten, zeigte er sich begeistert wie ein kleines Kind. „Wir bauen einen Flughafen“, sagte Monsignore James Horan den verdutzten Journalisten. In einer Zeit von Massenarbeitslosigkeit und Auswanderung ausgerechnet im trostlosen Westen Irlands einen internationalen Flughafen bauen zu wollen, konnte nur eine wahnwitzige Idee sein, zumal ein Geistlicher der Initiator war. Doch der Monsignore setzte sich durch, auch ohne Planungsgenehmigung und gesicherte finanzielle Mittel. Leider verstarb Monsignore Horan nur zwei Monate nach Eröffnung des Flughafens 1986. Doch mit der Umsetzung seiner Vision hatte er der Region seinen Stempel aufgedrückt. Im kommenden Jahr will Ryanair ins Drehkreuz Knock einige hunderttausend Touristen einfliegen. Und der Rat der Grafschaft Mayo möchte dem weitsichtigen Geistlichen ein Denkmal stiften. Das Geld ist knapp, mehr als 70.000 Euro darf die Statue nicht kosten. Unklar ist deshalb noch, ob der Steuerzahler dafür aufkommen darf, oder ob sich private Stifter finden. (Quelle: Irish Independent)
Zum Schmunzeln: Cloud Computing in Irland . . .

Weitere Kurz-Meldungen dieser Woche
∗ Giovanni Trapattoni hat noch nicht fertig. Der 72-Jährige verlängerte diese Woche seinen Vertrag als Trainer der irischen Fußball-Nationalmannschaft um weitere zwei Jahre. Ziel: WM 2014 …
∗ Mieten statt kaufen. Angesichts eines nach wie vor auf Talfahrt befindlichen Immobilienmarktes ist dies die derzeitige Empfehlung der Banken an junge Paare, die um einen Immobilienkredit anfragen.

∗ Sean Quinn muss tatsächlich zwei Milliarden Euro zurückzahlen. Das Commercial Court in Dublin erklärte diese Woche die Forderungen an den bankrotten Großunternehmer für rechtens. Quinn wurde seine Verstrickung in die Geschäfte der inzwischen verstaatlichten Pleite-Bank Anglo Irish zum Verhängnis.
∗ Es sollte eine der größten Touristenattraktionen Dublins werden. Doch aufgrund sinkender Besucherzahlen wurde Dublins Riesenrad (Foto), das in den Docklands neben der „O2“-Halle stand, nach nur eineinhalb Jahren abgebaut und nach England zurück transportiert.
∗ 36 Millionen Euro – so viel kosteten offiziell die Besuche der Queen von England und des amerikanischen Präsidenten im Mai dieses Jahres.
Und was bringt die kommde Woche?
Die Nation rüstet sich für B-Day, die Verkündung des Haushalts (Budget) für 2012. Am Montag wird zunächst Brendan Howlin, Minister für öffentliche Ausgaben, die Ausgabenkürzungen vorstellen. Am Dienstag wird Finanzminister Michael Noonan seine Rede zum Haushaltsentwurf halten. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Am heutigen Sonntag will Premierminister Enda Kenny in einer TV-Ansprache die Nation auf harte Zeiten einstellen.
Wir wünschen allen Lesern und Irland-Fans eine gute Woche.
PS: Mehr von Dirk Huck gibt es auf seinem eigenen (derzeit ruhenden) Blog www.blog-for-ireland.blogspot.com zu lesen.
Fotos: Dirk Huck (4)

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