Ballard Commons

 

Wahr, unwahr, möglich. Sie ist schwer zu ertragen, diese permanente Flut von Nachrichten, Analysen, Deutungen, von Gerüchten, Verschwörungs-Märchen und von konkurrierenden Narrativen. Wenden wir uns für ein paar Augenblicke ab von der Gegenwart, in der wir gerade wieder versuchen zu verstehen, was richtig und was falsch, was Wahrheit und was Lüge ist, und welches Narrativ am Ende gewinnt. Wird es die „Wahrheit“ der Mehrheit sein?

Schauen wir zurück in die Zeit in Irland, die heute prä-historisch genannt wird, die Zeit, aus der es keine schriftlichen Zeugnisse gibt, die Zeit, von der wir wenig wissen und in der die großen Mythen ihren Feinschliff erhielten: Die Mythen der Hag of Beara, der Invasion der Milesier, der sagenumwobenen Könige Heber und Eoghan Mór (Owen), und der Prinzessin Beara, die uns als lokale Erzählungen auch heute faszinieren. Sie steigen als mündliche Überlieferungen aus sagen-haften Zeiten in unser Gegenwarts-Bewusstsein, Narrative aus der präfaktischen Zeit vor unserer Zeit.

 

Prinzessin Beara

 

Im Sommer 2008 stieg eine Abordnung der Geschichtsgesellschaft von Castletownbere in die Berge der Beara Halbinsel. Sie war auf einer Mission, hatte eine steinerne Gedenktafel, Werkzeuge und Mörtel im Gepäck. Hoch oben, irgendwo zwischen den Gipfeln von Maulin und Knocknagree, im Hochtal von Ballard Commons, steuerten die Wanderer einen Felsen an. Sie hielten inne, schraubten die Tafel an den Felsen und gedachten einer Frau, die im 2. Jahrhundert nach Christus gelebt haben und irgendwo dort oben in den Caha Mountains begraben sein könnte: Prinzessin Beara.