Die Beara Peninsula: Auch vor 300 Jahren schon ein Besucher-Magnet.

Die Beara Peninsula: Auch vor 300 Jahren schon ein Besucher-Magnet.

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 15)

von Peter Bernhardt* 

Heute erzählt Peter Bernhardt im Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland am Atlantik über die frühen privilegierten Touristen, die auf die Beara-Halbinsel kamen. Die Adeligen, Reichen und Gebildeten schrieben meistens auf, was sie unterwegs erlebten – und geben uns damit heute interessante Einblicke in das Leben vor 300, 200 oder auch nur 50 Jahren auf der Beara Halbinsel in West Cork im Südwesten Irlands. 

Die Beara Halbinsel hat schon immer Besucher angezogen, und nicht erst, seit es einen Minister für Transport, Tourismus und Sport (1959) gibt. Es gibt Nachweise aus prähistorischen Zeiten, daß sich Menschen schon damals für diesen Teil Irlands interessierten. Und dieses Interesse ist bis heute geblieben, auch wenn  von Regierungs-Seite West Cork nach Bekunden seiner Bewohner von der Regierung eindeutig vernachlässigt wird. In ganz Irland wurden die Straßen vernünftig und verkehrssicher ausgebaut – nicht in West Cork. Hier wird immer nur „geflickschustert“. Die Fähre vom Kontinent nach Cork, die die Touristen in diesen westlichen Teil hätten bringen können, hat man pleite gehen lassen. Dadurch aber hat sich dieser Teil Irlands noch ein wenig seine Ursprünglichkeit bewahrt. Für Individual-Reisende ist es ein kleines Paradies, was es zu erkunden gilt. Und nicht umsonst haben sich auf Beara Schriftsteller, Maler, Fotografen und Musiker nieder gelassen.

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Die Kupferminen in Allihies, gezeichnet von der Spitze des Berges Knockoura im Jahre 1838 von Lady Chatterton

1973 kauften Peter and Harriet Cornish 150 acres of rugged farmland zwischen Castletown und Allihies, um hoch auf den Klippen einen Ort für spirituelle Menschen aller Nationalitäten zu errichten. 1992 schenkten sie das Land und die Gebäude in Garranes einer Stiftung unter der spirituellen Leitung von Sogyal Rinpoche, einem weltbekannten tibetischen Buddhismus-Lehrer. Er gab diesem Platz den Namen „Dzogchen Beara“‘, Holder of Dzogchen’.

Die Autoren Pennelope Durell und Cornelius Kelly haben ein Buch mit dem Titel: „The Grand Tour of Beara“ herausgegeben, in dem sie 51 Frauen und Männer recherchierten, die in den letzten fünf Jahrhunderten auf Beara waren und etwas darüber geschrieben und veröffentlicht haben. Darunter sind, um nur einige zu nennen: elisabetanische und jakobiter Soldaten, ein Bischof von Cork und Ross, ein hugenottischer Siedler, ein Revolutionär, ein deutscher Prinz, ein deutscher Geograf, ein amerikanischer Missionar, viele Journalisten/innen, Autoren und Poeten.

Hier ein paar Aussagen von prominenten Beara-Besuchern:

1700. Dive Downes, Bischof von Cork und Ross, hielt sich drei Tage im Juni auf Beara auf und interessierte sich vor allem für seine Kirchen und Schäfchen. Aber nicht nur für die Zweibeinigen! Er bemerkte auch die fetten Schafe und meinte, einige würden sogar am Übermaß von Fett sterben. Ihn interessierte auch, wem die einzelnen Ländereien gehörten und vermerkte ihren materiellen Wert. Ein Extra-Satz in seinem Bericht war: „No Protestants here in this parish!“ Ironie des Schicksals: Downes starb im Jahre 1709, am gleichen Tag ist seine Tochter Anne geboren.

1704. Auch einige Hugenottische Flüchtlinge fanden den Weg über England nach Irland. Jacques Fontaine (1658-1728) kam 1699 auf die Beara Halbinsel und gründete eine Gemeinde für Landwirtschaft und Fischerei. Neun Jahre lebte er hier und diese Jahre waren nicht gerade das Paradies auf Erden. Er mußte sich gegen Piraten erwehren und wurde von seinen eigenen Seeleuten betrogen. Für seine Kinder schrieb er einen Bericht über die Geschichte seiner Familie und das Leben auf Beara.

1750. Charles Smith, ein Historiker und Gründer der Historical Society in Dublin (1744). In dieser Funktion bereiste er in den folgenden Jahren Waterford, Kerry und Cork. Seine Weg führte dabei auch auf die Beara-Halbinsel. Nicht weit von „Ross-Mac-Owen“ war er vom „größten und höchsten Wasserfall im Königreich“ beeindruckt. Über „Castle-Town, alias Castle Dermot“ (direkt am Hafen stand einstens eine Burg von Dermot O’Sullivan) schreibt Smith: „It is a small village of little note…“! Auch das „berühmte Castle von Dunboy, wo er allerdings nur noch die Ruinen vorfand, besuchte und erwähnte er sowie die verbissene und heftige Verteidigung gegen Sir George Carew im Jahre 1602. Die Schlacht ging allerdings für die O’Sulivans nicht gut aus. Die Verteidiger wurden getötet und das Castle geschleift.

Isaac Weld

Isaac Weld

1800. Isaac Weld, ein Topograf, sieht in „Beare-Haven“ nur ärmliche Häuser in kleiner Zahl. Das einzige Objekt von Bedeutung sind die Grabmale in Pyramiden-Form auf dem Friedhof. Die Kirche war nur noch eine Ruine und die wenigen Familien trafen sich im Haus des Geistlichen. Trotzdem bescheinigt er, daß das Land zwischen Hungry Hill und Beare-Haven deutlich besser kultiviert ist als das Gelände weiter westlich zum Halbinsel-Ende. Auch die Bevölkerungszahl war um Beare-Haven herum deutlich größer als auf der übrigen Halbinsel. Beeindruckt haben ihn offensichtlich die großen Kuh-Herden und die hohe Qualität der gewonnen Butter, die komplett nach Cork geliefert wurde. Auch eine Bootfahrt nach Dursey Island hat er unternommen und fand es bemerkenswert, dass der bescheidene Wohlstand der Inselbewohner durch Schmuggeln und „Ausbeutung“ der gestrandeten Schiffe genährt wurde.

Fürst Pückler-Muskau

Fürst Pückler-Muskau

1828. Hermann von Pückler-Muskau (* 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau; † 4. Februar 1871 auf Schloss Branitz bei Cottbus) war vor allem als Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender bekannt. Folgende Landschaftsparks in Deutschland sind mit seinem Namen verbunden: Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Fürst-Pückler-Park Branitz, Cottbus, „Pücklerschlag“ (Blickachse) vom Ettersberg bei Weimar, Altenstein, Herzoglich-Sachsen-Meiningische Sommerresidenz, Park Babelsberg in Potsdam, Park von Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach, zusammen mit Hermann Jäger.</