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Die Sturm-Saison in Irland beginnt. Für morgen, Dienstag, kündigt Met Éireann den ersten schweren Sturm des Winters an: Barra heißt er, ist eigentlich die Nummer zwei der Saison, doch Arwen, der Auftakt in die windige Winterzeit am Atlantik, zeigte sich in der Republik Irland als eher moderates Lüftchen. Barra könnte von einem anderen Kaliber sein. Der Wetterdienst in Glasnevin prognostiziert ihn als Sturm der Kategorie Orange, der Orkan-Böen bis zu 130 Stundenkilometern bringen kann. Die Warnung Orange deutet auf „selten vorkommende, gefährliche Wetterbedingungen hin, die eine Gefahr für Leben und Besitz mit sich führen können“.

Für den morgigen Dienstag an der Südwestküste am Atlantik kündigt Met Éireann an:

Met Éireann Wetterwarnung

Am Dienstag und in der Nacht zum Dienstag werden aufgrund des Sturms Barra südliche Winde, die später zu nordwestlichen Winden werden, mittlere Geschwindigkeiten von 65 bis 80 km/h mit schweren oder schädlichen Böen von bis zu 130 km/h erreichen, in Küstengebieten möglicherweise noch stärker. Strom- und Reiseunterbrechungen sind wahrscheinlich.

Hohe Wellen, hohe Gezeiten, heftige Regenfälle und Sturmfluten werden dazu führen, dass die Wellen über die Ufer treten und die Möglichkeit von Überschwemmungen an den Küsten besteht.

 

[UPDATE 6.12.21, 17 Uhr: Für die Südwest Counties Cork, Kerry und Clare gilt für morgen nun die Warnstufe Rot. Erwartet werden neben Spitzenböen von über 130 Stundenkilometern auch Schnee und Überflutungen. Schulen, Test- und Impfzentren, ambulante Gesundheitsdienste und die Gerichte bleiben morgen geschlossen].

Zwischen Windstärke 8 und 12 ist also alles möglich. Wir sind vorbereitet, das Land ist vorbereitet, die Namen der zu erwartenden Stürme für den Winter 2021/22 sind vergeben. Neben irischen Namen wie Seán und Méabh finden sich aufgrund der Kooperation mit den Wetterdiensten Großbritanniens und der Niederlande in der 21-er Liste auch englische und holländische Namen wie Tineke – und auch an Inklusion wurde gedacht: Sturm acht, so der denn kommt, hieße Imani, Sturm 14 Nasim. Männliche und weibliche Namen wechseln sich artig ab, die Namensgebung für die Wüteriche ist nun ausgewogen und politisch korrekt. Mein Favorit: Herman heißt er.

 

Sturm Namen Irland

 

Wir haben hier an der Westküste Europas in zwei Jahrzehnten einige wilde Stürme erlebt. Die schweren Wetter brauen sich über dem Nordatlantik zusammen und ziehen dann ostwärts, um über Irland, der ersten Landmasse, die sich ihnen in den Weg stellt, hinweg zu ziehen und ihre Spuren zu hinterlassen –  im schlimmsten Fall Tod und Zerstörung. Vor allem im Winter 2013/14 jagte ein schwerer Sturm den nächsten. Höhepunkt war der Orkan Darwin, der als der zerstörerischste Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen in die Wetter-Historie einging. Die Verwüstungen und der Landverlust waren extrem, die Geschwindigkeiten lagen wiederholt über 160 Stundenkilometern, in Kinsale wurde an jenem 12. Februar 2014 die höchste Welle aller Zeiten gemessen: Sie bretterte 25 Meter hoch auf die Küste. Darwin war eine große Herausforderung.

 

 

Nach dem brutalen Winter 2014 konnten uns nur noch der Ex-Hurricane Ophelia tief beeindrucken, der am 16. Oktober 2017 wütete und als schwerster Sturm der vergangenen 50 Jahre bezeichnet wurde, sowie der Schnee- und Eissturm Emma, der uns Ende Februar bis Anfang März 2018  als Beast from the East (Die Bestie aus dem Osten) in Bann hielt. Wetterinteressierte Irinnen und Iren – und das sind fast alle hier auf der Insel – erinnern sich mit mehr und weniger Grauen auch an den heftigen Weihnachtssturm, der am 24. Dezember 1997 vielen Haushalten zum Fest einen mehrtägigen Blackout beschwerte. Und die Alten sprechen bis heute ehrfürchtig von den Monsterstürmen Debbie (September 1961) dem Sturmmonat Januar 1974 und dem Hurricane Charley (August 1986).

 

Sturm in Irland

 

Seit dem Jahr 2018 erlebte Irland nur mäßig heftige Wetter, die keinen Eingang in die ewige Hitliste fanden. Dafür gerieten die Sturmwarnungen zunehmend schriller, die von einem unter Druck stehenden Wetterdienst herausgegeben und von den Medien kräftig aufgeblasen wurden. Oft überstiegen die Erwartungen und Befürchtungen die Wirklichkeit. Die nächste