»Als wir ihn finden, liegt er schon stundenlang in seinem Kot.« (S. 9)

Da hingehen, wo es weh tut: zutiefst persönliche Essays für eine ganze Generation

 

Emilie Pine – Botschaften an mich selbst, übersetzt von Cornelia Röser.

Rezensiert von Ellen Dunne

Schon der erste Satz in Emilie Pines Botschaften an mich selbst nimmt keine Gefangenen. Denn es ist ihr Vater, um den es hier geht. Nach vier Jahrzehnten Alkoholsucht droht sein Körper endgültig aufzugeben. Emilie und ihre Schwester fliegen von Irland nach Griechenland, wohin er sich von der Familie zurückgezogen hat, und versuchen, ihn in einem fremden Land mit einem maroden Gesundheitssystem, irgendwie wieder auf die Beine zu bringen. Dabei finden sie sich nicht nur in der Rollenumkehr wieder, wie sie sich für so viele Kinder alternder Eltern vollzieht – auch schmerzvolle Erinnerungen an das dysfunktionale Verhältnis mit dem Vater werden wach. Ein Text von gerade einmal 45 Seiten, der mich atemlos zurückgelassen hat in seiner Offenheit und seinem rohen Schmerz. Und das ist erst der Anfang …