Wir suchen alle nur eines: unser Glück. Auch in Irland wollen Mary und John neuerdings nur noch glücklich sein. Maeve Dineen nannte die Suche der Iren nach dem Glück im „Independant“ gerade „eine nationale Obsession“. Tatsächlich hat das Thema „Happiness“ in den Medien der Insel und in den Gesprächen Hoch-Konjunktur, seit das Thema Reichtum und Wohlstand fürs Erste abgehakt werden kann. Das Glück, die Suche nach ihm, der Mangel an ihm und die Unfähigkeit es zu finden – das sind die Krisengewinnler in Zeiten tiefer Rezession. Wir sind jetzt wieder ärmer – dafür aber glücklich. 


Geld allein macht nicht glücklich, sagen die Leute und suchen Ihr Seelenheil angesichts leerer Geldbeutel im stillen Glück, in der vermeintlichen Einfachheit der „old yays“ und der Schlichtheit alter Werte. Viele Iren haben erstmals in ihrem Leben erfahren, dass mehr Geld und mehr Wohlstand nicht gleichzeitig mehr Glück bedeuten, dass sich mit steigendem Einkommen das innere Wohlbefinden sogar verschlechtern kann. Andererseits sahen Viele die Vorteile: Mehr Geld und mehr Wohlstand bedeuten mehr Wahlmöglichkeiten, mehr Chancen, eine bessere Gesundheit, mehr Vergnügen. 


Die Debatte um das liebe Glück bewegt die Menschen: War das Leben früher nicht  besser, als es den ganzen Wohlstand nicht gab, als die Menschen noch wussten, was wichtig und richtig ist? Macht Geld allein wirklich nicht glücklich? Wäre man nicht doch besser reich und unglücklich als arm und glücklich? 


Was fördert das Glück der Iren? Sex, Champagner, Kinder, Arbeit, Freizeit, Freunde, Prozac? Was sind die größten Glücks-Killer? DIe tägliche Mühle, das Pendlerleben am Rande der Großstädte, die nie aufhörende Hausarbeit, der Chef und die mobbenden Kollegen? 


Und was ist das überhaupt, das Glück? 


Vermutlich hat Glück mit Wohlstand rein gar nichts zu tun. Und auch nicht mit dem Gegenteil, mit Armut. Vermutlich ist Glück ein scheues Reh, das sich nur selten zeigt, in flüchtigen Momenten – eindrucksvoll genug, um den Glücklichen für den Rest des Lebens an diese Offenbarung zu erinnern und sich danach zu sehnen. Verweile doch, Du bist so schön. Wahrscheinlich hatte der Herr Doktor Faust schon recht. Es sind die flüchtigen