Zurück zur Natur ohne Strom und Smartphone

Irland Retreat

Der Natur Retreat in Irlands Bergen: weitere Termine im August und September 2017

Der Weg zu uns und zur Natur. Die einwöchigen Irland-Natur-Retreats von Wanderlust führen in die Weite der irischen Berge im Südwesten der Insel und zu uns selbst. Was können die Teilnehmer der Natur Retreats in den Bergen erwarten?  Antworten von Markus Bäuchle, der die Natur-Wochen leitet.

 

Auch ein Tag am Atlantik gehört dazu

 

Was ist das, ein Natur Retreat in Irland, kurz und knapp ausgedrückt?
Der Natur Retreat ist eine Wanderung in intakter Natur und zu uns selbst als einem Teil der Natur; wir konzentrieren uns auf das Einfache und erleben das Wesentliche. Wir verbringen eine Woche in einem geschützten Raum der Schönheit, der Sicherheit und des Vertrauens mit Gleichgesinnten.

 

Alles fließt: Am Bach

 

Klingt spannend. Hat das mit Survival und Entsagung zu tun?
Nein, wir machen kein Survival und verzichten auch nur auf das Überflüssige. Wir wollen kein primitives Leben. Wir kochen uns gutes gesundes Essen und wir lassen uns intensiv auf unsere natürliche Umgebung ein. Wir erfahren die Sonne, den Mond, die Wolken, das Wasser, die reine atlantische Luft, die Tiere und Pflanzen der Bergwelt. Es geht um das bewusste Leben, und wir lassen dafür unsere Alltags-Accessoirs einmal für ein paar Tage hinter uns.

 

Sonnenexplosion_

 

Wie sieht das dann genau aus in den Bergen?
Wir ziehen uns als kleine Gruppe eine Woche lang in die Berge zurück. Ohne Uhr, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Strom und ohne Geld. Wir verzichten auf Alkohol. Und doch haben wir alles, was wir zum Leben benötigen: Wir leben einfach in einem alten Cottage, das uns Schutz bietet. Wir baden im Fluss, sitzen am Feuer. Wir streben an, in Einklang mit der Natur und mit uns selbst zu kommen. Wir wandern abseits der Zivilisation und spüren nach, was das mit uns macht. Wir schöpfen Kraft und Inspiration in der unberührten Natur. Die Wertsachen werden während der Woche sicher aufbewahrt, und klar: Es gibt eine Telefonnummer, unter der die Teilnehmer im Notfall erreichbar sind.

 

Am Feuer_

 

Woher kommt die Idee, die äußere Natur und die Natur in uns intensiv zu suchen?
Beides hängt natürlich eng miteinander zusammen: Innen ist wie außen. Die Zerstörung der äußeren Natur hat ihre Entsprechung in unserem Inneren. Mein Bedürfnis zu dieser Suche stammt noch aus der Zeit, als ich in meinem deutschen Alltag Tag für Tag intensiv spürte, wie verletzt und zerbrochen unser Verhältnis zur Natur ist. In Irland dauerte es dann einige Jahre, bis der Wunsch Wirklichkeit wurde. Inspirieren lasse ich mich von der grandiosen, weitgehend intakten Naturlandschaft am irischen Atlantik und von den Arbeiten und Erfahrungen des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung.

 

Geborgen am wärmenden Feuer im Cottage

 

C.G. Jung, der Gründer der analytischen Psychologie, hat sich in den Jahren ab 1923 mit eigenen Händen am oberen Zürichsee ein abgeschiedenes Natur-Refugium gebaut, in dem er Pausen vom Alltag einlegte, um die Natur und sich intensiv zu ergründen und zu erleben. Ich hatte das Glück, den Turm in Bollingen im vergangenen Herbst zu besuchen, und mir wurde dabei klar, dass wir heute genau das tun, was Jung schon vor fast 100 Jahren tat. Der Universalgelehrte ist für mich der erste Naturschützer der westlichen Kulturgeschichte. In seinen Erinnerungen schreibt C. G. Jung über seine Erfahrungen im Turm:

„Zuzeiten bin ich wie ausgebreitet in die Landschaft und in die Dinge und lebe selber in jedem Baum, im Plätschern der Wellen, in den Wolken, den Tieren, die kommen und gehen, und in den Dingen. Es gibt nichts im Turm, das nicht im Laufe der Jahrzehnte geworden und gewachsen ist und mit dem ich nicht verbunden bin. Alles hat seine und meine Geschichte, und hier ist Raum für das raumlose Reich des Hintergrunds.

Ich habe auf Elektrizität verzichtet und heize selber Herd und Ofen. Abends zünde ich die alten Lampen an. Es gibt auch kein fließendes Wasser, ich muß das Wasser selber pumpen. Ich hacke das Holz und koche das Essen. Diese einfachen Dinge machen den Menschen einfach; und wie schwer ist es, einfach zu sein! In Bollingen umgibt mich Stille, und man lebt «in modest harmony with nature». Gedanken tauchen auf, die in die Jahrhunderte zurückreichen und dementsprechend ferne Zukunft antizipieren. Hier mindert sich die Qual des Schaffens; das Schöpferische und das Spielerische sind nahe beisammen.“  (aus: Erinnerungen, Träume, Gedanken.)

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

Heute kommt übrigens eine trendige Version des Natur Retreats aus dem globalen Zentrum des technologischen Fortschritts, dem Silicon Valley. Dort befreien sich hoch spezialisierte Computer-Freaks wochenendweise von den Abhängigkeiten des Internets, der sozialen Medien und  der gesamten elektronischen Parallelwelt. Sie nennen das Digital Detox –  Entgiftung vom digitalen Alltag. Wir alle kennen heute die Macht von Smartphone, Facebook und Whatsapp über unser Leben – und davon einmal ein paar Tage Abstand zu nehmen, tut uns außerordentlich gut. C.G. Jung hatte auch zum sogenannten technologischen Fortschritt schon vor Jahrzehnten eine fast hellsichtige Einstellung. Er sagte, diesen „Fortschritt“ müssten wir teuer bezahlen. Alles Bessere würde durch ein Schlechteres erkauft.

 

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

 

Zurück zum Irland-Retreat. Wie läuft eine Woche in Irlands Bergen ab?
Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit den Sternen ins Bett. Wir nehmen einen natürlichen Lebens-Rhythmus auf und folgen keinem starren Programm. Die Sonne und unsere Bedürfnisse, allem voran der wechsel von Aktivität und Ruhe, und die Ernährung geben den Takt der Tage vor. Wir erkunden die Berge auf geführten Wanderungen im Einklang mit der Natur. Wir verbringen auch einen Tag an einem nahe gelegenen einsamen Kap am Meer und schauen über den Atlantik. Wir hinterlassen keinerlei Spuren. Der Schwierigkeitsgrad der Wanderungen liegt zwischen leicht und mittelschwer (1 bis 2,5 von 4). Höhenmeter: 100 bis maximal 600 pro Wanderung.

 

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Das Cottage in den Bergen, gut geschützt von alten Bäumen

 

Wo schlafen die Teilnehmer?
Ein einfaches altes Cottage hoch in den Bergen abseits der Straßen bietet uns Schutz und Unterkunft. Es gibt keinen Strom, aber es gibt alles, was wir benötigen: gutes kaltes Trinkwasser, ein schönes großes Kaminfeuer, Kerzen- und Solar-Licht, eine Kochstelle, einfaches gesundes Essen (auf Wunsch vegetarisch, vegan, weizenfrei etc.), ein Waschbecken unter freiem Himmel, eine Toilette, einen kleinen Fluss und Seen zum Säubern, Baden und Erfrischen. Dazu Ruhe, Sonne, Wind, Regen, die Lichter des irischen Himmels und der Blick hinunter auf das nahe Meer. Wir kehren jeden Abend zu unserem Cottage zurück. Es wird unser Lebensmittelpunkt sein. Und wer Lust hat, schläft draußen auf der Wiese unter dem Sternenhimmel.

 

Nartur-Wandern in den wilden Bergen Irlands

Wir haben viel Raum für uns und einen weiten freien Blick

 

Was heißt das eigentlich alles: Zu sich kommen, zentrieren, sich erden?
Den Alltag einmal systematisch hinter sich zu lassen, auf Internet, Zeitdruck, Fernsehen, Telefon, auf Autofahren, Arbeit und Haushalt zu verzichten und sich unbeschwert in der Natur zu bewegen, ermöglicht sehr grundlegende Erfahrungen. Die Natur harmonisiert uns Menschen, wenn wir es zulassen. Sie öffnet unsere Herzen und ermöglicht uns eine klare Sicht auf das Leben: Wir verstehen besser, wer wir sind und was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Man kann sagen: Die Prioritäten sortieren sich auf wundervolle Weise neu.

 

Am Bergbach

Am Bergbach

Ist beim Natur Retreat jeder für sich, oder ist es ein Gruppen-Erlebnis?
Es ist beides. Wir sind zum einen ganz mit uns selbst, dann zu zweit oder zu dritt, und schließlich Teil der ganzen Gruppe. Die Gemeinschaft der Individuen gibt Raum für beides, was uns ausmacht: Wir alle sind einzigartig und gleichzeitig Teil der Gemeinschaft. Wir hören tief und vorbehaltlos zu und wir sprechen aus dem Herzen.

Wir genießen diese Tage in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, die tiefes Denken, Fühlen und Sprechen ermöglicht. Wir beschäftigen uns auch mit den wichtigen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Was liebe ich? Was macht mein Glück aus? Was ist meine Aufgabe? Was will ich hinter mir lassen? Was möchte ich künftig erreichen? Aber was wichtig ist, bestimmen die Teilnehmer für sich: Jede(r) kann seine eigenen Themen mitbringen und in der Ruhe der Berge Antworten suchen. Und wer einfach nur die Natur sucht, ist auch richtig.

Geborgen in den irischen Bergen

Geborgen in den irischen Bergen

 

Wie ernähren sich die Natur-Wanderer?
Wir ernähren uns einfach und gesund, mit frischen Lebensmitteln, vielen Früchten und Gemüse, die möglichst Bio-Qualität haben und teils lokal hergestellt werden. Der Lebensmittelvorrat für die Woche steht im Cottage bereit. Wir gehen weder Jagen noch Sammeln. Wir kochen selbst auf einer einfachen Kochstelle. Es gibt einen Teller, eine Tasse, eine Schüssel und ein Besteck-Set für Jede(n). Ich kann versichern: Das Essen schmeckt nach einem Tag im Freien ganz besonders gut.

 

On Top_

Von ganz oben sieht man/frau vieles klarer

 

Die Packliste für den Natur Retreat ist ziemlich umfangreich. Ist das nicht ein Widerspruch zum einfachen Leben?
Du hast recht, es ist nicht völlig widerspruchsfrei. Aber weil wir kein Überlebenstraining machen, und weil wir wollen, dass sich die Teilnehmer sicher, warm, trocken, wohl und geborgen fühlen, bedarf es einer guten Ausrüstung. Ich rate jedoch dazu, das Ausrüsten nicht zu übertreiben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und vor allem, sich Dinge wie Schlafsack, Rucksack oder aufblasbare Matratze auszuleihen, wenn frau/man keine eigene hat.  Es ist angesichts unserer Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, sicher auch widersprüchlich, nach Irland zu fliegen. Immerhin aber ist es ein kurzer Flug von weniger als zwei Stunden und kein Langstreckenflug. Wer auch das nicht verantworten will, kann im Auto oder mit Bus/Zug und Fähre reisen oder auch per Mitfahrgelegenheit und Anhalter, wie ich das früher auch immer gemacht habe. Dazu braucht man nur eines: mehr Zeit.

Irland Wildnis_3

Hoch über dem Meer

 

Warum bieten wir die Natur Retreats an?
Ich habe mir vor Jahren vorgenommen, nur das zu arbeiten, was ich wirklich gerne mache und was mir selber wirklich wichtig ist. Das ist nicht immer leicht, klappt im Großen und Ganzen. Die Natur Retreats jedenfalls sind mir jenseits des Broterwerbs ein Herzens-Anliegen. Die Frage, wie wir Menschen unser gestörtes Verhältnis zur Natur wieder in Ordnung bringen können, beschäftigt mich wie schon gesagt seit vielen Jahren. Die Wanderungen in der Weite unberührter Natur in den Bergen sind auch ein Versuch, gemeinsam Antworten zu finden und wichtige neue Erfahrungen zu machen. Wie können wir wieder Teil der Natur werden, anstatt deren herrische Zerstörer, wie können wir ein Stück Wildnis in unsere überzivilisierte und ökologisch ausgezehrte Welt zurückkehren lassen?

 

Weißdorn am Bach

 

Wie ist die Reaktion auf das Retreat-Angebot?
Das Interesse an dieser besonderen Woche ist groß. Allerdings gesellt sich zum Interesse oft Skepsis oder gar Angst. Im Vorfeld tauchen Fragen auf: Schaffe ich das? Kann ich wirklich eine Woche ohne Smartphone sein? Die Rede ist von Abenteuer und Wagnis. Doch dann zerstreuen sich alle Zweifel. Die Teilnehmer fühlen sich immer geschützt, sicher und geborgen.

 

Wann finden die nächsten Natur Retreats statt?
In diesem Jahr gehen wir noch zwei mal auf Retreat: vom 5. bis 12. August und vom 16. bis 23. September 2017. Es gibt für jede Woche zwei Retreat-Leiter. Die August-Gruppe leite ich zusammen mit der Heilpraktikerin und Körper-Therapeutin Gisela Cordes aus München und den September-Retreat mit dem Schwitzhütten-Guide und Ritual-Experten Uwe Backhaus aus Paris. Wir sprechen deutsch und freuen uns auf nette, aufgeschlossene Leute. Wer sich den Reisepreis aus rein finanziellen Gründen nicht leisten kann, soll uns einfach ansprechen.

 

Detaillierte Informationen inklusive der erwähnten Packliste gibt es hier auf www.irland-natur.de oder direkt bei Wanderlust Irland, Markus Bäuchle, Telefon D +49 89 89623290 oder +353 27 63609, markus@wanderlust.ie

Alle Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust (2015/16/17)

 

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By | 2017-06-28T07:44:55+00:00 18. Juni 2017|6 Comments

About the Author:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de

6 Comments

  1. Doris Heinz 5. April 2015 at 21:00 - Reply

    …von einer die unter dem Sternenhimmel schlief, von einer anderen die in alle Gewässer sprang, alles belastende abwaschen konnte in dieser Woche in den Caha Mountains…..eine absolut empfehlenswerte Reise zu sich selbst.
    Ursula und Doris

  2. […] eine Woche gemeinsam in die Natur der irischen Berge zurück. Wer mitkommen will, findet die Informationen hier in diesem Blog-Eintrag. Wer Probleme mit dem Teilnahmepreis hat, der sollte kein Problem sein: Bitte Mail an […]

  3. Nicola 17. Juli 2015 at 9:05 - Reply

    Ziemlich verspäteter Kommentar, sorry, ich war in Irland 😉 : Ich kenne die Bedenken, mit dem umweltbelastenden Flugzeug nach Irland zu fliegen. Entscheide mich trotzdem immer wieder dafür, weil es einfach viel Zeit spart, und mache dafür hinterher eine Ausgleichszahlung bei http://www.atmosfair.de . Man gibt dort die Strecke und den Flugzeugtyp ein (darauf achte ich während des Flugs) und bekommt den zu überweisenden Betrag ausgerechnet. Der ist – angesichts der Gesamt-Urlaubskosten – für mich verschmerzbar. Das Unternehmen ist eine gemeinnützige GmbH, das Geld wird in Klimaschutzprojekte investiert. Für mich persönlich eine passende Lösung!

  4. […] :: :: :: Detaillierte Informationen über die Wildnis-Wander-Retreats in Irlands Bergen gibt es hier (klick). […]

  5. […] :: Mehr Informationen zum Irland Natur-Retreat Wildniswoche gibt es hier: Kraft schöpfen in der Natur der irischen Berge. […]

  6. Silke 7. Januar 2017 at 14:10 - Reply

    Das klingt wirklich fantastisch und macht schon wieder Lust auf Irland!
    Wir sollten uns viel häufiger Zeit ohne technischen Schnickschnack gönnen, um wieder die ganze Schönheit der Natur zu erkennen. Der Südwesten Irlands ist dafür besonders gut geeignet, wie ich selbst in meiner Zeit auf dem Bearaway gemerkt habe. Vielleicht schaffen wir es ja auch mal zu einem der Natur Retreats.
    Liebe Grüße,
    Silke

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