Ein Jahrhundert-Leben: Sir Cosmo Haskard

Sir Cosmo Haskard (1916 – 2017)

Das Ende einer Epoche. Heute wurde in unserem Städtchen im Südwesten ein Mann beerdigt, der im Jahr des irischen Osteraufstands 1916 zur Welt gekommen war: Cosmo Haskard. Der in Dublin geborene Brite war einer der letzten Vertreter des einstmals glorreichen British Empire. Sir Cosmo Dugal Patrick Thomas Haskard war ein Imperialist aus dem Bilderbuch: Studium an der Elite-Universität Cambridge, Offiziers-Laufbahn, danach Dienst in den Kolonien als hochrangiger Verwaltungs-Offizier und Diplomat in Afrika und Südamerika. Haskard arbeitete unter anderem als Hoch-Kommissar von Uganda und als Botschafter der Britischen Krone in Ruanda.

Sir Cosmo tritt 1964 den Dienst in Stanley, der Hauptstadt der Falklands an. Mit dabei Frau Phillada

Von 1964 bis 1970 „regierte“ er die Falkland Islands, den kleinen britischen Insel-Außenposten vor der Küste Argentiniens. Sir Cosmo erlangte internationale Bekanntheit, als er die Bewohner der Falklands über Geheimverhandlungen zwischen Argentinien und Großbritannien im Alleingang unterrichtete. Die Briten schienen damals bereit, die von Argentinien Malvinas genannte Inselgruppe an das südamerikanische Land abzutreten. Bekanntlich wurde am Ende daraus nichts, und die britische Premier-Ministerin Margaret Thatcher ließ um die Falklands im Frühjahr 1982 sogar Krieg führen. Die Bewohner der Falklands, die mehrheitlich zu Großbritannein gehören wollen, halten Sir Cosmo für die Indiskretion bis heute in bester Erinnerung.

Zur Zeit des Falkland-Krieges war Cosmo Haskard, Mitglied des Ordens des British Empire, sowie des Ordens von St. Michael und St. George, bereits im Ruhestand. Der bis vor kurz vor seinem Tod rüstige und aktive Haskard lebte seitdem mit seiner Frau Phillada in Tragarriff bei Bantry. Als Spross der einflussreichen Hutchins-Familie war Cosmo, Sohn von Alicia „Lily“ Hutchins-Haskard und Cousin ersten Grades von Richard N Hutchins, mit  den hiesigen Herrenhäusern Ardnagashel House, Ballylickey House und mit der Bantry Bay seit Kindheitstagen eng verbunden. Man kannte ihn als aufrechten, großen Mann, der mit langen Schritten immer eher eilte als ging. Das Paar war 60 Jahre verheiratet und lebte in einem von Cosmos Vater John McDougall gebauten Anwesen am Meer ein ebenso diszipliniertes wie bescheidenes Pensionärs-Leben. In den Wintermonaten hielt sich das Paar in einem geheizten Raum in dem weitläufigen Haus auf. Im Sommer sah man die beiden schon mal auf Picknick-Tour irgendwo in den Bergen, die über zehn Jahre jüngere Ehefrau chauffierte ihn immer ganz unerschrocken in ihrem blauen Handwerker-Kastenwagen.

Wie viele Anglo-Iren liebte Cosmo die üppige Pflanzenwelt in der Bantry Bay, die lebendigen Reminiszenzen in Irlands Gärten, die in den weltweiten Territorien des Empire gesammelt und in die Gärten der Heimat auf den britischen Inseln überführt worden waren.

Rhododendron macabeanum

In den Glanzzeiten zählte die Britische Krone jeden vierten Bewohner des Erdballs zum Empire. Das war 1922. Seitdem ist der Glanz von Britannia langsam, aber kontinuierlich verblasst, und die Welt wartet in Zeiten des Brexit noch immer auf eine deutliche Bewertung des Jahrhunderte währenden britischen Großmachtwirkens. Auch in Irland sind die adeligen Landlords von der großen Nachbarinsel, die mit den eigenen Kirchen, den eigenen Friedhöfen, den eigenen Schulen, den eigenen Rechten und den eigenen Riten, nach Jahrhunderten der Besatzung nicht immer nur gerne gesehen. Noch immer schmerzen die uralten Narben, über die man im gemeinsamen Alltag mit vollendeter Höflichkeit hinweg sieht.

Oft sind Klarheit und Heilung erfahrungsgemäß erst möglich, nachdem auch die letzten Zeitzeugen abgetreten sind. Sir Cosmo jedenfalls war ein Gentleman mit dem berühmten britischen Humor, mit großer Gelassenheit und einer feinen Selbstironie. Wir hatten das Glück, ihn zu kennen. Über seine Zeit als Gouverneur in Afrika sagte er einmal: „Du musst vorsichtig sein. Wenn Du riesige Ländereien verwaltest und tagein tagaus die Entscheidungen triffst, schleicht sich irgendwann das Gefühl ein, dass das alles Dir gehört . . . “  

Im vergangenen Herbst hatte sich Sir Cosmo von einer kurzen schweren Krankheit noch einmal erholt, um am 25. November seinen 100. Geburtstag zu feiern. Gestern und heute nahm seine tapfere Frau Phillada von ihm Abschied. Sie sagte: „He was ready to go.“ Cosmos Sarg schmückten die frischen cremeweißen Blüten des Rhododendron macabeanum, der meistens erst zwei bis drei Wochen später im Jahr blüht. Seine Witwe: „Als wären die ersten Blüten für ihn aufgegangen.“ Dem begeisterten Hobby-Gärtner hätte das sicherlich gefallen.

Fotos: National Archives; Eliane Zimmermann (unten)

By | 2017-03-30T11:46:02+00:00 28. Februar 2017|1 Comment

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Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de

One Comment

  1. Gisela Cordes 2. März 2017 at 20:49 - Reply

    Ein interessanter Bericht, ich habe ihn vollständig gelesen. Und ich freue mich aufs Wandern.

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