Neulich zog es uns mal wieder aus der Einsamkeit der reduzierten Warenwelt West Corks ostwärts in die große Stadt: Cork City. In der großen Stadt, in einem großen Einrichtungsmarkt, fanden wir ein edles Schnäppchen für unser Gästehaus: Ein Teppich, ganz aus Wolle, gar nicht mal so klein, wie der Preis suggeriert, Auslaufmodell, nur 95 Euro. Statt 149,50. Wer will da widerstehen? Allerdings: Das Ausstellungsstück war mal eben sehr provisorisch ( manche sagen: „Sehr irisch“ ) mit zwei Schrauben an der Displayschiene befestigt. Das schrie förmlich nach einem Zusatz-Rabatt. Fragen kostet ja nichts, sagt der Kurt immer, und Kurt ist immerhin der größte Discount-Jäger vor dem Herrn.
Also gefragt. Die amerikanische Verkäuferin ( aus Kansas, seit 18 Jahren verteidigt sie in Irland erfolgreich ihren liebenwerten Heimat-Akzent) schaut leicht irritiert, holt dann zur Gegenfrage aus: „Are you Dutch?“ Wir, Holländer? Originelle Einschätzung. „Nein, Deutsche. Warum?“. Die Amerikanerin weiter irritiert: „Deutsche kaufen doch keinen neuen Teppich mit zwei Löchern drin.“ Ich versichere Shelly aus Kansas, dass Holländer nichts anderes sind als die perfektionierte Version des Deutschen und dass wir, obwohl deutsch, immer noch am Teppich interessiert sind: 95 Euro minus Rabatt?
Shelly erringt für uns einen Achtungserfolg beim Manager: „Another 10 percent off, folks“. Nochmal zehn Prozent. Phantastisch. Ein Teppich, ganz aus Wolle, gar nicht mal so klein, wie der Preis suggeriert, Auslaufmodell, nur 86,50 Euro. Schnäppchen-beglückt schweben wir zur Kasse, wo ein etwas gelangweilter Ryan auf uns wartet — und sich bald fragt, wie er dem bocksbeinigen Kasssensystem die zehn Prozent Anschlussrabatt verständlich machen soll. Der junge Ire aus Cork redet mit sich selbst: Wie bringe ich das verdammte Ding dazu, neun Euro abzuziehen? Ein kleiner Stich ins Herz, da ist es wieder: Der Ire rundet munter, ob rauf oder runter, Hauptsache rund. Das tut der deutschen Seele weh, sie schreit ganz leise: „9 Euro 50, Ryan“.
Und während Shelly verzweifelt den Manager sucht, damit er mit der störrischen Kasse ein Machtwort spricht, hat Ryan aus Cork selber herausgefunden, wie er seine Kasse betippen muss. Ryan zeigt nun seine ganze Souveränität im Umgang mit Kasse und mit peniblen Germans: „Also, 80 Euro“. Sagts, tippts und kassierts. Gut gerundet. Wir kleinlichen Deutschen sind mal wieder sprachlos vor Glück: Ein Teppich, ganz aus Wolle, gar nicht mal so klein, wie der Preis suggeriert, Auslaufmodell, nur 80 Euro.
Schnäppchenglück in Mahon Point. That´s Shopping in Ireland im Oktober 2012. Und jetzt sagt mal wieder, alle Menschen sind gleich, und das mit den Iren, und den Amerikanern und den Deutschen und den Dutchen ist alles erfunden . . . Schönes Shopping, wo auch immer ihr gerade seid!
Fragen kostet eben doch nichts ganz im Gegenteil- es spart einiges;-) Manchmal tun mir aber auch die Kassierer leid…
Ging mir letzthin auch so. Es war grosser Blumentopfausverkauf im NCF in Westport. Ich benoetigte einen Riesen-Keramiktopf, glasiert, mit Loch unten in der Mitte. Da, endlich hatte einen gefunden. Der kostete noch Euro 30.00 anstatt Euro 54.90. Als der Verkaeufer mir freundlicherweise half, das Ding vom Stapel zu heben, da sehr schwer, sah ich, dass da der Lack ein wenig ab war. Ich zeigte mit dem Finger auf die Stelle und der Topf wurde gleich Euro 5 billiger. Great, dachte ich mir und schleppte das Ding zur Kasse. Dort tippte der Verkaeufer dann Euro 20.00 in die Kasse, ich bezahlte laechelnd und ging stillschweigend von dannen…………Nein, ich bin weder Hollaenderin noch Deutsche, aber das koennen Schweizerinnen auch….!!!
Vor allem auch hervorragend gerundet. Da soll mir noch einer sagen Rundungs -Regeln sind allgemein verbindlich :)
Das ist ja wirklich eine geglückte Schnäppchenjagd mit einem richtigen Happy End…..kommt mir irgendwie bekannt vor…. :D
Peddel