„Dieses Wetter macht mich depressiv“ – überall hört man in diesen Tagen die Klagen über einen völlig verregneten Sommer. Die vielen Leute, die den Sch….sommer in Deutschland wortreich am Telefon verfluchen, wären wahrscheinlich mit ihrem Wetter zufriedener, wenn sie dem ungewöhnlich tropennassen Sommerklima in Irland ausgesetzt wären. Mehrmals am Tag regnet es hier so stark, dass sogar das Signal des Fernseh-Satelliten in den Regengüssen stecken bleibt – was Feriengäste in ihren Ferienhäuschen vollends ablenkungsfrei verzweifeln lässt.

Ob das Regenwetter wirklich depressiv macht? Der Londoner Gehirnforscher Michael Crawford hat kürzlich herausgefunden, dass auf einen depressiven Japaner 50 mental zutiefst verstimmte Iren kommen. Der Anteil seelisch kranker, trübsinniger Menschen an der Gesamtbevölkerung ist demnach auf der Grünen Insel signifikant hoch – höher als auf dem europäischen Kontinent und 50 mal so hoch wie auf der vergleichsweise sorgenfreien Pazifik-Insel im fernen Osten.
Depressives Irland: Liegt das nun an den verheerenden Auswirkungen katholischer Erziehung, liegt es gar am Jahrhunderte währenden unterdrückerischen Tun der englischen Besatzer – oder liegt es doch am Wetter? Der Professor von der London Metropolitan University aus London verneint und sieht die Ursache alleine in der Ernährung. Er sagt, die Iren essen viel zu wenig Fisch und leiden deshalb an einem gravierenden Mangel an tierischen Omega-3-Fettsäuren. Das andere Extrem sind die Japaner, die Fischvertilger Nummer eins weltweit. Michael Crawford weist darauf hin, dass unsere evolutionäre Vergangenheit im Meer liegt und dass das menschliche Gehirn aus Fetten aus dem Meer aufgebaut sei. Es brauche deshalb die Nährstoffe aus dem Meer. All die bi-polaren Störungen, die Depressionen, selbst kindliche Verhaltensstörungen wie ADHD führt der Wissenschaftler nun auf die weitgehend fischfreie irische Kost zurück.
Er könnte recht haben. Man wundert sich schon, wie wenig die Kartoffel-fixierte und neuerdings Fastfood-verrückte Bevölkerung so gar keinen Draht zu Fisch und Meeresgetier hat. Ein Hummerfischer aus Cape Clear übergab sich kürzlich fast bei dem Gedanken, dass er Teile seines Fangs selber essen müsste – das „Zeug“ holt er nur für die Touristen und für den Export aus dem Meer.
Auch die weitgehende Abwesenheit von Fisch-Restaurants auf der Insel und ein tiefer Blick in das traditionelle irische Kochbuch (Seafood Chowder mal ausgenommen) liefern Wasser auf Professor Crawfords Mühlen. Und manche Uneingeweihte fragen sich, wie Irland – umgeben von einem mit Fischen prall vollen Meer – im 19. Jahrhundert überhaupt eine katastrophale Hungersnot erleiden musste. Aber das ist ein ganz anderes Kapitel im großen illustrierten Buch „Der Ire und das Meer“, ein anderes Mal mehr davon.
Heute jedenfalls gibt´s