Die Plassey – eine irische Allegorie.

Scheitern als Chance. Das irische Volk ist seinen Niederlagen und Katastrophen wärmstens und eng verbunden. Wie kaum ein anderes Land hält Irland die Erinnerung an die unerfreulichen Ereignisse der Geschichte wach – manche sagen, weil es in den vergangenen 800 Jahren so wenig erfreuliche Anlässe von historischer Relevanz gab. Ob „The Battle of the Boyne“, „The Flight of the Earls“ oder „The Great Retreat“ – geradezu mit Wonne zelebriert Irland 300 und 400 Jahre alte historische Niederlagen als wären es Siege gewesen.

Auch der Umgang mit Katastrophen aller Art ist eine irische Spezialität. „Disaster“ wie die von Terroristen verantwortete Explosion einer Air India Boeing im Jahr 1985 vor der irischen Küste, oder die Explosion des Öltankers Betelgeuse im Jahr 1979 vor Whiddy Island werden Jahr um Jahr andächtig und mit großen Aufwand erinnert.
Wrack der Plassey am Felsenstrand von Inis Oirr

Als besondere irische Spezialität darf die akribische Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung der in die Hunderte gehenden maritimen Katastrophen vergangener Jahrhunderte sein. Beeindruckend etwas die Sammlung aller am Mizen Head gescheiterten Schiffe, die im Besucherzentrum am südwestlichen Ort der Insel studiert werden kann; oder die Sammlung von Mick O´Rourke aus Ennis, der im Internet eine allgemein zugängliche Datenbank über Schiffswracks in Irland betreibt. (Nicht zu reden von den Berichten über das Scheitern der großen Spanischen Armada im Jahr 1588 vor der Westküste Irlands – einem Debakel, dem manche zu Unrecht die mediterrane Ausstrahlung mancher Iren zuschreiben.)