Irlandnews Sehnsuchts-Raum Irland Markus Bäuchle

 

Mein liebstes Irland-Foto.  Die Reisebeschränkungen machen es in diesem Sommer schwer, wenn nicht unmöglich, nach Irland und in Irland zu reisen. Da hilft fürs Erste nur Träumen, um die Sehnsucht nach der grünen Insel wenigstens ein bisschen zu stillen.

Wir haben hier auf Irlandnews für diesen Sommer einen Sehnsuchts-Raum geöffnet und freuen uns über alle, die mit machen und sich auf die anhaltend geringe Geschwindigkeit einlassen. Wir zeigen unsere in Irland entstandenen Lieblings-Fotos. Ich habe die AutorInnen von Irlandnews gebeten, ihr Lieblingsfoto (es kann auch in Bild sein) zu zeigen – und ich lade die Leserinnen und Leser dazu ein.

Im Zeitalter der zahllosen schein-perfekten, hyper-gefilterten und photo-tot-geshoppten Super-Fotos wollen wir mehr. Denn Sehnsucht lässt sich nicht knipsen. Die Lieblingspuppe war doch meist nicht die schönste Puppe, der Lieblings-Teddy war der, dem das linke Ohr und das rechte Auge – vom ständigen Lieb-Herzen – längst fehlte. Ihr und ihm aber galt unsere Zuneigung.

Genauso ist es mit den Lieblings-Fotos: Sie erinnern uns an besonders tiefe und eindrucksvolle, manchmal an selbstvergessene Momente, in denen es uns um alles andere ging als um das perfekte Foto. Zwar mag es heute Menschen geben, die die Welt nur noch im Stakkato als schnelle Foto-Motive wahr nehmen, doch auch das soll keine Rolle spielen.

Schicke uns Dein Lieblings-Foto – und sei es noch so unperfekt – mit einer kleinen Geschichte dazu, die erklärt, warum Du genau dieses Irland-Foto so magst.

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[4. Juli 2020. Samstag]

Ein stürmischer Spätsommertag am wilden Atlantik, 2011

Irlandnews Sehnsuchts-Raum Irland Markus BäuchleHeute zeigt Irlandnews-Gründer Markus Bäuchle ein weiteres Lieblingsbild aus der Wahlheimat Irland: Es entstand an einem Montag, dem 12. September 2011, in der Dunlough Bay. Der Schweif eines atlantischen Hurrikans, der in den Tagen zuvor in der Karibik gewütet hatte, wühlte das Meer an Irlands Südwestküste auf und zerrte mit Böen über 100 Stundenkilometern an uns herum. Es war ein heller und sonniger Tag, dazu der Sturm, der immer wieder damit spielte, uns umzuwerfen. Wir wanderten in der offenen Landschaft, dabei die Schwester, eine gute Freundin, Gäste. Brilliant. Es war ein Tag der allerfeinsten Qualität.

 

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[27. Juni 2020. Samstag]

Abenteuerlust und Freiheit verbunden mit Ruhe und tiefer, innerer Einkehr

Irlandnews Sehnsuchts-Raum Irland Sandra Böttcher

 

Heute zeigt Sandra Böttcher ihr liebstes Foto aus Irland. Sie ist im Süden von Hamburg geboren, ehemalige Hobby-Fußballerin und Tischtennisspielerin. Die studierte Sportmanagerin und reiselustige Mutter von zwei Töchtern lebt mit Familie in Norddeutschland. Sandra ist leidenschaftliche Fotografin und entdeckte ihre Liebe zu Irland 2006 – seitdem wird die Grüne Insel in jedem Jahr mehrfach und zu jeder Jahreszeit bereist. Mit Vorliebe wandert Sandra an Irlands Küsten und in den Bergen. Hier bei Irlandnews hat sie einen Beitrag über Ihren Aufenthalt auf Great Blasket Island geschrieben.

Hier Sandras Geschichte zu ihrem Foto:

“Während meiner ersten Irland-Reise machte ich Halt in einem B&B im County Tipperary, unterhalb des ‘Rock of Cashel’. Ein langjähriger irischer Freund hatte meine Neugierde für die Grüne Insel entfacht. Das Foto entstand auf einem Spaziergang am Morgen des 31. Januar 2006, einem frostigen Wintertag.

Vor mir tauchte ein Schaf auf, es stand dort, als wäre es in Stein gemeißelt. Wir blickten uns eine Weile an. Dann erst bemerkte ich die malerische Kulisse im Hintergrund. Braun-grüne Felder und Weiden, von zartem Raureif überzogen, dahinter erhaben die Abtei ‚Hore Abbey’ aus dem 13. Jahrhundert.

Mich überkamen überwältigende Emotionen. Abenteuerlust und Freiheit verbunden mit Ruhe und tiefer, innerer Einkehr. Meine fünftägige Reise neigte sich dem Ende entgegen, aber ich spürte, ich war angekommen. Die mystisch anmutende Landschaft bescherte mir einen dicken Kloß im Hals, ein paar Tränen kullerten über mein Gesicht. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an diesem beinahe klischeehaften “Gemälde”.

Ich schaue mir dieses Foto immer wieder an, ein gerahmtes Exemplar hängt im Wohnzimmer.

Häufig denke ich: “Das war eine meiner ersten, tiefen Irland-Erfahrungen.“ Es soll(t)en noch viele folgen…”

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[20. Juni 2020. Samstag]

Wer hinein lauschen kann in Ruinen, wird ihre Geschichten hören

 

Irlandnews Sehnsuchts-Raum Irland Eliane Zimmermann

 

Heute zeigt Eliane Zimmermann ihr liebstes Foto aus Irland. Eliane ist passionierte Aromatherapeutin und schrieb acht Bücher zum gesunden Umgang mit ätherischen Ölen. In den 20 Jahren in der subtropisch geprägten Natur Südwest-Irlands ist sie auch zur Pflanzenkennerin geworden. Sie geht der Kultivierung von duftenden und essbaren Pflanzen genau so leidenschaftlich nach wie auch der “Jagd” nach wissenschaftlichen Studien mit ätherischen Ölen. Regelmäßige Artikel dazu sind im ersten deutschsprachigen Blog über Aromatherapie www.aromapraxis.de (seit 2008) nachzulesen. Hier bei Irlandnews schreibt Eliane über das Pflanzenparadies Irland, ihre Beiträge findet Ihr hier.

Hier Elianes Geschichte zu ihrem Foto:

“Zumindest werden innere Filme ablaufen: Wann wurde dieses Cottage erbaut, wer versuchte an diesem Ort, seine Träume zu verwirklichen? War es ein einsamer Junggeselle, der versuchte, mit dem umwerfenden Blick aus diesem Heim, eine Liebste anzulocken? Fand ein junges Paar diesen Ort, um das Land zu bewirtschaften und den Kindern einen schönen Ort zu bieten? Hoffte jemand im winzigen Wohnzimmer auf eine gute Zukunft oder wurde er zum Opfer von Hunger, Krankheit, Kälte und Einsamkeit?

Irische Ruinen sind für mich wie Romane. Entdecke ich eine, versuche ich, irgendwie hinein zu gelangen, meistens sind sie ohnehin nicht besonders gesichert. Wie ein einem Buch rattert meine Fantasie los, Fragen kommen hoch, mögliche Versionen von gelebten Leben laufen vor meinem inneren Auge ab. Manchmal findet sich ein Rosenkranz, vielleicht noch Reste einer Zeitschrift, gelegentlich Dosen und Plastikverpackungen mit Daten, Heiligenbildchen oder nur eine einsame Emailleschüssel. Wer hat hier seinen Teig für das tägliche ‘soda bread’ geknetet? Waren die Bewohner des Lesens mächtig? Hatten sie in ihrem überschaubaren Kleiderschrank ein besonderes Kleid für den sonntäglichen Gang zur Kirche? Konnten sie sich einen Esel, eine Kutsche oder gar ein Auto leisten?

Ich weiß nicht mehr, in wie viele verfallene irische Cottages ich bislang eingetaucht bin. Es waren nicht wenige. Jedes Mal ergreift mich ein faszinierter Schauer, ich fühle mich wie magisch angezogen. Obwohl ich genau weiß, dass es sicherlich niemals ein Zuckerschlecken war, in diesen engen Gebäuden zu leben, womöglich mit sechs Kindern (oder mehr), nur mit einer oder zwei Feuerstellen als “Heizung”, konstante Zugluft durch die verbogenen winzigen Fenster, Feuchtigkeit in den Bettdecken und in der Kleidung, Erde auf den rauen Fußböden.

Dennoch liebe ich die (vermeintlichen) Geschichten, die mir diese urigen Cottages erzählen. Diesen Zauber versuche ich auf Fotos von irischen Ruinen festzuhalten.”

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[13. Juni 2020. Samstag]

Kurz vor Ballyferriter auf der Dingle Halbinsel

 

Irlandnews Sehnsuchts-Raum Irland Patrick Steinbach

 

Heute zeigt Patrick Steinbach sein liebstes Foto aus Irland. Patrick arbeitet als Dozent für Gitarre, er ist Herausgeber zahlreicher Lehrwerke zur irischen Musik und schreibt seit 2001 für das Musikfachmagazin AKUSTIK GITARRE. Der Musiker spielt irische Folk-Musik und Traditionals, er veröffentlicht Notenbücher für irische Musik – und er hat eine 400 Seiten dicke Liebeserklärung an die Grüne Insel geschrieben, das Reise-Tagebuch “Fahrtwind”.Patrick schreibt hier bei Irlandnews über Irlands Musik und Musiker, seine Beiträge findet Ihr hier.

Hier Patricks Geschichte zu seinem Foto:

“Von Weitem ist die Struktur kaum zu erkennen. Doch weil in der Natur kaum gerade Linien und rechte Winkel vorkommen, kann man es mit etwas Fantasie als den Rest eines Gebäudes identifizieren.

Kurz vor Ballyferriter auf der Dingle Halbinsel befindet sich hoch oben auf einem Grat ein verfallener Aussichtsposten aus dem 1. Weltkrieg. Etwas unheimlich die Vorstellung, dass hier tage- und wochenlang junge Männer ausharrten, um feindliche Schiffe zu entdecken.

Von hier hat man einen fantastischen Blick auf eine Bergkette, die man Three Sisters nennt.

Das letzte Mal war ich dort oben mit der Freundin und ihren beiden Kindern. Wir hatten einen herrlichen Tag und genossen unser mitgebrachtes Picknick. Dort wäre ich so gerne wieder. Mit Dir und den Kids…”

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[6. Juni 2020. Samstag]

Der Zauber der kargen, melancholischen Landschaft, 1997

 

 

Heute zeigt Gabriele Gérard Ihr liebstes Foto aus Irland. Gabi kennt Irland und seine Menschen von vielen Aufenthalten. Sie verbringt viel Zeit im eigenen Haus in Connemara. Gabi schreibt für Irlandnews über  das Land, die Kunst und seine Kümstler. Hier Gabis Geschichte zum Foto:

 

“Eure Nachfrage nach dem eigenen Irland-Lieblingsfoto hat mich nicht losgelassen und ich habe die Fotos der letzten 20 Jahre durchstöbert! Ein Bild blieb hängen!

Es entstand 1997 auf einer Erkundungstour der Westküste. Wie immer auf diesen Reisen hielt es uns nicht lange auf der Hauptroute und wir nahmen eine beliebige kleine Straße in Richtung Küste. Wir landeten direkt vor diesem kleinen Hafen und stiegen aus. Ich erinnere diesen ganz besonderen Augenblick, der uns drei, meinen Mann Hans und meinen Sohn Florian schweigend verharren lies. Nieselregen setzte ein, aber der Zauber, der von dieser kargen, melancholischen Landschaft ausging, war so stark und berührend, dass wir lange dort standen und auch im Auto schwiegen.

Florian starb am 1. Juli 2000 in Dublin. Die Erinnerung an diesen geschenkten Moment mit ihm ist eine meiner stärksten und lebendigsten.”

 

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[27. Mai 2020. Mittwoch]

Aufstieg zum Sugar Loaf Mountain, August 2018

 

Sugar Loaf Glengarriff

Antje Wendel: Das Ziel erreicht.

 

Das Lieblings-Foto von Antje Wendel:

 

Heute zeigt Antje Ihr irisches Favoriten-Foto. Antje lebt seit acht Jahren in Irland, schreibt hier jeden Donnerstag die Irland-TV-Tipps, sie betreut The ARK und schaut, dass die Web-Technik das tut, wir gerne von ihr möchten. Hier Antjes Foto und seine Geschichte:

 

“Mein Foto zeigt den Ausblick vom Sugar Loaf Mountain im County Cork unter anderem auf Bantry und die Bantry Bay. Ich sehe den Sugar Loaf jeden Tag von meinem Haus bzw. Vorgarten aus, auf dem Weg ins Büro begleitet er mich für ungefähr die Hälfte des Weges. Wenn ich im Winter ein paar Wochen nach Deutschland fahre, um Familie und Freunde zu besuchen, und bei der Rückkehr den Sugar Loaf sehe, dann weiß ich, ich bin zu Hause.

Lange trug ich den Wunsch in mir, auch ein Mal oben zu stehen und den Ausblick zu genießen. Bei einer Wanderung ging es schon mal ziemlich weit rauf, aber nicht bis zum Gipfel, ein weiterer Versuch scheiterte an fehlender Kondition. Der Sugar Loaf mag nur knapp 600 Meter hoch sein, aber ein Spaziergang ist er nicht.

Ende August 2018 machten wir uns in einer kleinen Gruppe auf den Weg nach oben. Es war ein wunderschöner Tag in den Bergen, die Sonne schien vom fast wolkenlosen Himmel. Spät realisierte ich, dass es diesmal wirklich bis ganz nach oben gehen sollte. Die letzten Meter ging ich ganz alleine und bestand plötzlich nur noch aus (Freuden-)Tränen und einem Gefühl von tiefer Ruhe und großer Freude. Hier stand ich nun, auf „meinem“ Sugar Loaf, tatsächlich und wahrhaftig. Später konnte ich durch die Zoomlinse meiner Kamera sogar das Haus sehen, in dem ich lebe.

Warum es eines meiner Lieblingsfotos ist: Weil es mich immer wieder an diesen ganz besonderen Moment erinnert. Lange hab ich wirklich geglaubt, ich würde nie dort oben stehen. Dieses Bild beweist mir das Gegenteil und zeigt mir, dass ich es wirklich geschafft habe. Ich hab es auf den Sugar Loaf geschafft, da schaffe ich ganz andere Sachen sicher auch.”

 

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[22. Mai 2020. Freitag]

Abfahrt von Inisheer, Juli 1992

 

Irland 1992

 

Das Lieblings-Foto von Markus Bäuchle:

 

“Das blaustichige Foto, abgescannt von einem Dia, zeigt unsere Abfahrt von der Insel Inisheer am 12. Juli 1992. Wir hatten füllige und eindrucksvolle Tage auf den Aran-Inseln Inishman und Inisheer erlebt. Ich liebte diese Überfahrten mit der Happy Hooker von Doolin auf meine damaligen Lieblings-Inseln. Sie schenkten mir friedliche, einmal fast heilige Momente.”

 

Mitmachen ist einfach: Die Kommentar-Spalte unter diesem Beitrag ist geöffnet. Dein Lieblings-Foto mit der kurzen Geschichte (ein paar Sätze genügen wirklich) und Deinem Namen können dort direkt online gestellt werden. Die drei schönsten Fotos/Geschichten bekommen am Ende des Sommers einen eigenen Beitrag hier auf Irlandnews. (Bei Fragen: Mail an markus@irlandnews.com genügt).