Wandern und Fotografieren in Irland mit dem Profi

Ethereal Dawn

Dämmerung am Loop Head, County Clare

Wanderlust Irland und der bekannte Landschafts-Fotograf Carsten Krieger veranstalten in diesem Jahr zwei Foto-Wanderwochen im Südwesten Irlands. Vom 4. bis 11. April und 12. bis 19. September haben wandernde Fotografen und fotografierende Wanderer Gelegenheit, die schönsten Orte des irischen Südwestens zu Fuß zu erkunden, ihre Fotografie-Kenntnisse zu verbessern und bleibende Erinnerungen in Form guter Fotos mit nach Hause zu nehmen. Wir sprachen mit Carsten Krieger, der seit zwölf Jahren in Irland lebt und arbeitet, über diese beiden ganz besonderen Ferienwochen — und zeigen einige seiner Fotos.

Carsten Krieger

Carsten Krieger

Hallo Carsten, bevor wir los legen, darf ich Dich bitten, Dich kurz vorzustellen?

Ich bin 1971 in der Nähe von Nürnberg geboren und dort aufgewachsen. Seit 2002 lebe ich mit meiner Familie in Kilbaha, einem kleinen Dorf am Ende der Loop Head Halbinsel im County Clare.

Du bist heute einer der besten und bekanntesten Landschafts-Fotografen in Irland. Du lebst in Irland.  Wie kam es dazu? Gezielte Lebensplanung oder auch Glück und Zufall?

Beides denke ich. Ich fotografiere seit meinem 8. Lebensjahr und Fotograf war schon immer mein Traumberuf. Meine Eltern wollten allerdings, dass ich einen „anständigen“ Beruf lerne und nach dem Zivildienst wurde ich erstmal zum Kinderkrankenpfleger ausgebildet und habe dann zehn Jahre auf einer Station für Knochenmarktransplantation gearbeitet.

Irland kam während dieser Zeit in mein Leben: Ich war ein grosser Fan von JRR Tolkien und in einer seiner Biografien wurde erwähnt, dass Irland einen großen Einfluss bei der Erschaffung von Mittelerde spielte. Das war der Grund für meine erste Irlandreise. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich habe mich in Irland sehr schnell weitaus mehr zuhause gefühlt als in Deutschland. Meine Frau teilte dieses Gefuehl glücklicherweise und 2002 haben wir dann einfach den Sprung gewagt, haben unsere Zelte in Deutschland abgebrochen und sind nach Irland umgezogen.

Ich habe die Gunst der Stunde dann auch noch dazu genutzt, mich als Fotograf selbstständig zu machen. Das ist nicht ganz einfach, wenn man im wilden Westen wohnt wie sich heraus stellte, aber ich hatte wohl das „Luck of the Irish“ und habe sehr bald einen Vertrag für mein erstes Buch bekommen.

Glengarriff Harnour

Glengarriff Harbour, County Cork

Welche Bereiche der Fotografie interessieren Dich am meisten?

Naturfotografie war immer der Bereich, in dem ich arbeiten wollte: Tiere, Pflanzen, Landschaften. In einem Land wie Irland ist das fast eine selbstverständliche Wahl. Ausserdem bin ich gerne draussen unterwegs, und die notwendige Computerarbeit ist für mich nur ein notwendiges Übel. Allerdings hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt, dass man als Fotograf im Westen Irlands etwas flexibel sein muss um zu überleben, und so arbeite ich seit einigen Jahren in so ziemlich allen Bereichen von der Portrait- bis zur Food-Fotografie.

Am Anfang war ich alles andere als glücklich darüber, aber inzwischen denke ich, dass diese Vielseitigkeit sich positiv auf meine Fotografie auswirkt. Ich bin weitaus offener geworden, Neues auszuprobieren und das resultiert in besseren Bildern.

Timoleague

Die Kathedrale in Timoleague, County Cork

Welches Deiner acht Foto-Bücher gefällt Dir eigentlich selber am besten?

Bisher würde ich keines als perfekt bezeichnen, sobald ein Buch gedruckt ist und ich es in Händen halte, finde ich Dinge, die ich anders hätte machen sollen. Aber mein Buch  Ireland’s Coast kommt dem, was ich erreichen wollte, schon sehr nahe.

 Wie hast Du Deine Liebe zu Irland entdeckt?

Meine erste Erinnerung an Irland ist der Geruch eines Torffeuers, Nieselregen und die dunklen Strassen von Dingle nach einem langen Tag auf dem Fahrrad. Ich kann nicht erklären warum, aber dieser Moment war für mich als wäre ich zuhause angekommen. Ich denke, ich war vermutlich nie ein guter Deutscher und der etwas lockerere Lebensstil der Iren, nicht alles so ernst nehmen und eine leicht rebellische Grundeinstellung, liegt mir mehr. Und dann ist da natürlich die Landschaft. Den Atlantik vor der Haustür zu haben, das hat schon was.

Sturm am Atlantik

Sturm am Atlantik

Warum lieben Fotografen die grüne Insel mehr als andere Destinationen?

Irland ist unter Fotografen leider etwas in Vergessenheit geraten, Island und Skandinavien sind gerade „in“… Was mir an Irland gefällt, ist die Vielseitigkeit der Landschaft: Klippen, Strände, Berge, Seen, Flüsse, … und alles nur wenige Autominuten voneinander entfernt. Ich kann einen Sonnenaufgang mit Wald und Feldern aufnehmen, danach den Tag in den Bergen verbringen und am Abend einen Sonnenuntergang am Strand fotografieren. Um von einem Platz zum anderen zu kommen brauche ich nur Minuten. Ich denke das gibt es nur in Irland.

Im April schon leitest Du die erste unserer Foto-Wanderwoche in diesem Jahr. Was dürfen die Gäste erwarten?

Klippen, Strände, Wälder, Seen, Flüsse, … und ein Irisches Frühlingserwachen. Da Irland sehr milde Winter hat, fängt der Frühling hier meistens schon im Februar an. Irland ist als die Grüne Insel bekannt, aber die meisten Besucher kennen nur das etwas abgestandene Grün des Sommers. Im Frühling ist hier alles frischer und farbenfroher, und das werden wir hautnah (im wahrsten Sinne) erfahren. Je nach Wetter des Tages – statistisch und aus eigener Erfahrung sind März, April und Mai eher trockene Monate – werden wir uns in die Berge und Wälder oder an der Küste entlang schlagen. Neben der Landschaft gibt es auch Möglichkeiten, die Flora und Fauna der Gegend kennen zu lernen und die geschichtlich Interessierten werden auch nicht zu kurz kommen: Steinkreise, alte Kirchen und Friedhöfe stehen auch auf dem Programm. Das und natürlich jede Menge Zeit, Tips und Tricks zum Fotografieren.

Gougan Barra im County Cork

Gougan Barra im County Cork

Kann das der Gast das Alles nicht auch alleine sehen und erleben?

Es gibt zwei Versionen von Irland: Zum einen gibt es da das Touristen-Irland mit den „wichtigen“ Sehenswürdigkeiten. Das ist zwar auch sehr schön, aber dieses Irland muss man sich mit vielen anderen Besuchern teilen und oft bekommt man auch nur eine gestylte Postkartenversion der Insel. Das andere Irland, das wahre Irland, versteckt sich meist an kleinen Straßen und Feldwegen, weit weg vom Touristen-Irland, und erfordert etwas Fußarbeit. Das ist das Irland, das wir während der Foto -Wanderwoche entdecken werden.

Burren

The Burren, County Clare

Was macht eigentlich den Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Foto aus?

Zum einen ist da der technische Aspekt, richtige Belichtung, Tiefenschärfe,Perspektive und Bildaufbau. Das sind alles Dinge, die man beherrschen sollte und die, wenn man sie beherrscht, sehr oft schon einen großen Unterschied und aus einem mittelmäßigen Bild ein klasse Bild machen.

Themenwahl und Komposition sind allerdings eine ganz andere Geschichte. Ob ein Bild gut oder schlecht ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Es gibt zwar eine ganze Reihe von Regeln, die wir uns alle waehrend der Woche ankucken werden, aber am Ende geht es darum, ein Gefühl und einen besonderen Moment einzufangen. Wenn ein Bild eine positve emotionale Resonanz hervorruft, dann ist es in der Regel ein gutes Bild. Im Prinzip geht es darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und mit etwas Wissen, Einsatz und Erfahrung kann fast jeder Weltklasse-Bilder machen.

Sonnenuntergang am Sheeps Head, County Cork

Sonnenuntergang am Sheeps Head, County Cork

Für wen ist diese Fotowander-Reise das Richtige – also wer sollte dabei sein?

Wie der Name schon sagt, ist die Foto-Wander-Reise das richtige für Leute, die gerne wandern und fotografieren. Leute die gerne draussen sind, sich gerne bewegen, aber noch etwas mehr als müde Füße und tiefe Zufriedenheit mit nach Hause nehmen wollen, und für die, die sich gerne  eingehender mit ihrer Umgebung beschäftigen möchten.

Ich danke Dir für das Gespräch!

Alle Fotos dieses Beitrags stammen von Carsten Krieger.

Wenn Sie an der Foto-Wanderwoche in Irland interessiert sind: Hier gibt es alle Informationen: www.foto-wandern.de 

Mehr über Carsten Krieger finden Sie hier : www.carstenkrieger.com

Canrooska River, County Cork

Von | 2015-01-20T21:05:45+00:00 20. Januar 2015|1 Kommentar

Der Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de

Ein Kommentar

  1. Benno Alexander Flume 30. Januar 2017 um 12:19 Uhr- Antworten

    Guten Tag
    Mein Name ist Benno Alexander Flume und möchte gerne eine Fototour in Irland unternehmen .
    Ich bin 60 Jahre und kann leider kein Englisch.
    Gibt es Unterkünfte wo deutsch gesprochen wird ?
    Ich währe dankbar für Ihre Hilfe.
    Ich möchte mich erst nur Informieren und Rechnen was für Kosten da entstehen .

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