Der Sommer schreitet fort, die Früchte reifen, das Getreide wird gemäht, und kaum merklich werden die Abende wieder kürzer. Lughnasadh (sprich: LuNAsa), auch Lúnasa, Lugnasad, in Schottland Lunasdál, das erste Herbst- und Erntefest rückt heran, das die Kelten am 1. August feierten. Der Name leitet sich von dem Sonnen- und Lichtgott Lugh ab, dessen Verehrung im keltischen Kulturkreis weit verbreitet war. Der Legende nach stiftete Lugh dieses Fest zu Ehren seiner Ziehmutter Tailltu (die „Große der Erde“), in Telltown am Blackwater River im Co. Meath. In diesem altkeltischen Kultzentrum gab es dabei auch Wettkämpfe unter den Poeten und einen großen Markt. 


Tailltiu hatte ihre Existenz dem Weiterleben des irischen Volkes geopfert, dies Fest sollte ihr Gedenken sein. Es hieß, solange Lughnasadh in Irland gefeiert werde, solle die Insel niemals ohne Lieder sein… An der N3 zwischen Kells und Navan kann man heute noch alte Erdwälle und einen heiligen Berg besuchen und archäologische Funde aus der Zeit um 2.000 v.u.Z. entdecken. Ähnliche Feste finden sich auch in Cornwall, in Frankreich, in der Schweiz und in Italien. 

Während bei anderen keltischen Feiern oft das Jenseits und die Spiritualität der Druiden eine Rolle spielte, war Lughnasadh ein Fest des Diesseits, des Königs und seiner weltlichen Macht. Das Fest sollte Frieden, Überfluss und Sicherheit symbolisieren, und alle Gesellschaftsklassen nahmen daran teil. Deshalb fanden auch keine möglicherweise tödlichen Zweikämpfe statt: zu diesem Fest kam man ohne Waffen. 

Der König wird als Landesvater gefeiert, er überwacht die Pferderennen und sportlichen Wettbewerbe („Tailltean games“), hält juristische Beratungen ab, und nach dem Druidenfest des ersten Mai (Beltane) und vor dem militärischen Samhain im November  ist dies ein politisches Fest, das der guten Regierung huldigt. Die königliche Kraft wird jetzt als am größten angesehen, und sie wird für die beginnende Erntezeit gebraucht. Nun wird die Grundlage dafür geschaffen, die kommenden dunklen Monate gut zu überstehen.