The Wormhole

Einer der geheimnisvollsten Orte Irlands liegt auf einer Kalksteinklippe auf der Aran-Insel Inis Mor. Das Wormhole, Wurmloch.

Der Kampf mit dem Lindwurm, dem Drachen . . .

Wurmloch. Der altertümliche Name hat nichts mit einem Regenwurm zu tun. Er erinnert an den Lindwurm, die Riesenschlange, den Drachen, das Monster. Auch an den Helden, den Drachtentöter. Im Wormhole auf Inis Mor, auch The Serpent´s Lair (das Versteck der Schlange, der Unterschlupf des Ungeheuers) genannt, soll sich der Sage nach ein uraltes Ungeheuer verbergen. Gefährlich ist das Wormhole aufgrund der Naturgewalten, die sich dort an manchen Tagen austoben. Ich habe es an einem ruhigen Tag bei Ebbe besucht.

Das Wormhole (irisch: Poll na bPeist) ist ein rechtwinkliges Naturbecken. Es liegt auf der ebenen Plattform einer Klippe unter einer 20 Meter höheren Klippe und sieht aus wie ein in Stein gemeißelter Swimming Pool. Besucher bezweifeln aufgrund der perfekt geraden Schnittkanten immer wieder, dass die Natur dieses Becken in hunderttausenden von Jahren geschaffen hat. Es gibt auch eine halbgare Theorie, die wissen will, dass die Herren von Dun Aengus den Pool einst geschaffen hätten. Nicht deutet drauf hin.

Das etwa 20 auf 8 Meter große Wasserbecken soll mindestens 2o Meter tief sein. Das Schluckloch ist durch Unterwasserkanäle mit dem Atlantik und mit einer unteririschen Höhle im Kliff verbunden. Das Wormhole, wirkt an sonnigen windstillen Tagen harmlos und lockt zum Baden. Doch es ist ein gefährlicher Ort. Das Wasser im Becken wird durch die unterirdischen Kanäle den Gezeiten unterworfen, hohe Wellen füllen das Becken bei Flut und unruhiger See von oben. Untrainierte werden schon größte Schwierigkeiten haben, das Becken wieder zu verlassen und auf die Klippe zurück zu klettern. Es gibt keine Treppe und keine Haltegriffe.

 

 

Um das Wormhole ranken sich viele wilde Geschichten – auch die wahren, über die vielen Unfälle, die sich dort immer wieder ereignen. Im Jahr 2016 wurde eine Frau, die auf einer Klippe über dem Wormhole stand, von einer großen Welle abgeräumt und auf das zehn Meter darunter liegende Felsplateau geschleudert. Ein Youtube-Video hat den Unfall festgehalten. Die Frau überlebte genauso wie der Mann, der durch einen der unterirdischen Kanäle ins Meer hinaus gesaugt wurde.

 

The Wormhole

The Wormhole auf Inis Mor

 

Im Februar 2019 besuchten die beiden Brüder Riccardo und Giovanni Zanon aus Alpago im norditalienischen Venetien das Wormhole. Die entfernten Verwandten aus der italienischen Großsippe waren keine 30 Sekunden auf dem Plateau angekommen, als sie von einer Riesenwelle erfasst und in das Wormhole geschleudert wurden. Von einem 20-Meter-Sturz ist die Rede. Giovanni hatte Glück. Riccardo, damals 35 Jahre alt, wurde beim Aufprall schwer verletzt. Sein Bein und die Hüfte wurden zertrümmert.

Riccardo Zanon verdankt sein Leben wohl dem kalten Wasser, das die starken Blutungen eindämmte, und dem nach einer Stunde eintreffenden Rettungshubschrauber 115 der Küstenwache in Shannon. Das Rettungsteam musste aufgrund der hohen Wellen alles riskieren, um den Verletzten zu bergen. Es gelang. Riccardo Zanon kämpfte sich in schweren 18 Monaten aus dem Krankenhaus und der Verletzung in die Normalität zurück.

 

 

Viele Unfälle am Wormhole werden nie bekannt. Nach den Erzählungen von Einheimischen verletzen sich vor allem junge Männer beim allzu kühnen Herumturnen und Springen am Wormhole. Jugendliche feiern dort regelmäßig Parties mit Alkohol. Die Konsequenzen: Knochenbrüche, Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen.

Das Wormhole. Der Ort ist magisch, bezaubernd unheimlich, ungezähmt und wild. Er verlangt Respekt und Umsicht.

Der Aran-Druide Dara Ó Maoildhia sagt, an diesen Ort sollten wir gehen, um unserem inneren Monster zu begegnen. Wir alle haben ein Ungeheuer in uns, in den Tiefen unseres Unbewussten, ob wir es wollen oder nicht. Wenn wir richtig mit ihm umgehen, schlummert es ein Leben lang.


 

Der Weg zum Wormhole, das weniger als zwei Kilometer von der bekannten Bronzezeit-Befestigung Dun Aengus an der Südküste liegt, führt querfelsein die Küste entlang über die verkarstete Kalksteinlandschaft des Insel-Burren. Ein paar aufgemalte Pfeile an Felsen hier und dort geben minimale Orientierungshilfe. Man kann aus beiden Richtungen, von Dun Aengus oder vom Dörfchen Gort na gCapall aus, entlang der Küste zum Wormhole gehen.

 

Das Wurmloch

Der Weg zum Wormhole führt über die Kalksteinfelsen des Insel-Burrens von Inis Mor

Fotos: Markus Bäuchle

[NB: Die Brausefirma Red Bull hat sich das Wormhole im Jahr 2014 vorübergehend angeeignet, um dort die Weltmeisterschaften der professionellen Klippenspringer zu veranstalten. Erinnert mich heute an Disney/George Lukas auf Skellig Michael]