Am 23. Dezember 1996 wurde Sophie Toscan du Plantier in der Nähe ihres Ferienhauses bei Schull in West Cork ermordet. Der Täter hatte die 39-jährige Französin zu Tode geprügelt und ihr Gesicht mit einem 8 Kilogramm schweren Hohlblockstein zertrümmert. Alles deutete auf einen Mord aus Leidenschaft hin. Einen verurteilten Täter allerdings gibt es bis heute nicht.

Der Mord an der französischen Filmproduzentin ist längst einer der spektakulärsten und auch geheimnisvollsten Kriminalfälle Irlands. Es ist die wahre Geschichte von Gewalt, Lüge, Leidenschaft, Verstrickung, Erpressung und Vertuschung. Nun, im 14. Jahr der Nichtaufklärung, scheint der Fall Toscan du Plantier eine neue Wendung zu nehmen.


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Im Zentrum der Ermittlungen stand von Beginn an der englische Journalist Ian Bailey, der unweit der Tatorts in Toormore lebte und weiterhin lebt. Der 53-jährige war an Heiligabend 1996, am Morgen nach der Tat, frühzeitig vor Ort und berichtete für englische Zeitungen über den aufsehenerregenden Fall. Bailey wurde bald mehrfach von Zeugen belastet, zweimal verhaftet, doch mangels eindeutiger Beweise wieder freigelassen.

Später widerrief die Hauptbelastungszeugin, eine Frau aus West Cork ihre Aussage, Bailey in der Tatnacht unweit des Tatorts gesehen zu haben. Sie tat dies mit der Begründung, sie sei von der Polizei zu dieser Aussage gezwungen worden. Auch sei sie mit einem Liebhaber unterwegs gewesen und habe Angst gehabt, dass ihr Redezvous bekannt werde. Ian Bailey selber, der schon deshalb Verdächtigungen auf sich zog, weil er seine walisische Lebensgefährtin mehrfach krankenhausreif geschlagen hatte, klagte indes wegen Verleumdung gegen mehrere englische Tageszeitungen auf Schadenersatz – und in diesen Prozessen sagte er mehrfach aus, das Opfer nicht persönlich gekannt zu haben.

Die irische Polizei geriet aufgrund der zweifelhaften Spurensicherung am Tatort, vor allem aber aufgrund der jahrelangen erfolglosen Ermittlungen zunehmend in die Kritik der Familie des Opfers. Der Leichnam von Sophie Toscan, geborene Bouniol, die zuletzt mit dem einflussreichen französischen Film-Magnaten und illustren Strippenzieher Daniel Toscan du Plantier ( † 2003 auf der Berlinale) verheiratet war, wurde schließlich auf Druck von Angehörigen und Freunden im Sommer 2008 in Frankreich exhumiert, um mit Hilfe neuer Methoden DNS-Spuren zu sichern. Die französische Staatsanwaltschaft schaltete sich ein und nahm eigene  Ermittlungen auf.

Heute nun meldet die Irish Times, dass drei neue Zeugen gegen Ian Bailey aussagen: Der Engländer habe die Unwahrheit gesagt. Er habe Sophie Toscan du Plantier sehr wohl gekannt. Ein Mann aus West Cork wird zitiert, er habe die beiden auf Cape Clear miteinander sprechen sehen. Hochinteressant erscheint die Aussage eines Kollegen der Filmprozudentin Toscan du Plantier: Guy Girard berichtete der Irish Times, dass Sophie Ian Bailey offensichtlich recht gut kannte, und dass die beiden ein gemeinsames Interesse pflegten: Sophie arbeitete damals mit dem Filmemacher Girard an einem Film über Gewalt und erzählte Girard, dass auch ein Nachbar in Irland, nämlich Ian Bailey am Thema Gewalt interessiert sei.

Nun stellt sich die große Frage: War es ein rein theoretisches oder ein ganz handfestes praktisches Interesse, das Ian Bailey verfolgte?  Anfragen der Irish Times zum Thema wollten der Journalist und sein Anwalt in Cork nicht beantworten.  Klar scheint aber, dass die Ermittlungen im Mordfall Sophie Toscan du Plantier wieder Fahrt aufnehmen, seit ein französischer Freundeskreis enormen Druck macht, um den Täter endlich zu überführen.

Foto: Michael L. Sheridan beschrieb den Mordfall Sophie Toscan du Plantier in seinem Buch „Death in December“ (O´Brien Press 2003). Unser Foto zeigt das Cover des Buches.