[Aktualisierung 28. August 2019:] Sogyal Rinpoche hat heute diese Welt verlassen. Er starb in Thailand um 13 Uhr Ortszeit an einer Lungenembolie. Er war an Krebs erkrankt.

Dzogchenbeara

Der Rohbau: Dzogchenbeara´s buddhistischer Tempel.

Temple can wait. Irlands erster buddhistischer Tempel an der Atlantik-Küste muss auf seine Fertigstellung warten. Der tibetisch-buddhistischen Gemeinde von Dzogchenbeara auf der Beara Halbinsel fehlen nach dem Missbrauchs-Skandal um ihren spirituellen Ex-Chef Sogyal Rinpoche die finanziellen Mittel zur Fertigstellung des Millionen-Baus.  Der früher üppig fließende Spendenstrom hat sich zum träge fließenden Niedrigwasser gewandelt.

2021? In diesem Sommer hat die Träger-Organisation Rigpa die Eröffnung des Tempels, dessen Schrein-Raum einmal 300 Menschen Platz geben soll, erneut vertagt. Es war nicht 2017 und nicht 2018. Es wird nicht in diesem Jahr sein und wohl auch nicht im nächsten. Im Gespräch ist jetzt eine Eröffnung im Jahr 2021. Noch sieht das Leuchtfeuer der Weisheit (Werbe-Slogan) im Rohbau wie ein spätes Bauhaus-Projekt aus. Es fehlen die Kupferdächer, das heilige Außendekor und die Inneneinrichtung. Nach drei Jahren und vier Monaten Bauzeit müssen laut Spenden-Website 1,4 Millionen Euro zur Fertigstellung eingesammelt werden. Auf dem offiziellen Baustellenschild wurde kürzlich der Hinweis auf ein Eröffnungsdatum heraus geschnitten (Foto).

Der Tempel würde das Retreat-Zentrum Dzogchenbeara zu einem anderen Ort machen, wenn Tempel-Personal, buddhistische Mönche und Nonnen in Roben, auf den Klippen von Garranes einziehen. Ob der Tempel 2021 seine Pforten öffnen wird, weiß derzeit allenfalls der Wind, der beständig vom Atlantik herüber weht. Es wird sehr darauf ankommen, wie die tibetisch-buddhistische Organisation Rigpa und die Sangha vor Ort die Vergangenheit bearbeiten und wie sie sich zu ihrem alten Oberhaupt stellen.

Ein neues Buch über Sex und Gewalt im tibetischen Buddhismus. Im Juli 2019 ist das Buch von zwei Autoren erschienen, die sich mit dem Thema lange beschäftigt haben: Sie beschreiben den mutmaßlichen jahrzehntelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch deren Guru Sogyal Rinpoche und ordnen ihn in den breiteren Kontext des tibetischen Buddhismus ein: In Sex and Violence in Tibetan Buddhism schreiben die AutorInnen Mary Finnigan und Rob Hoogendorn die über vier Jahrzehnte währende Geschichte von Betrug, Missbrauch und Korruption, in der Sogyal Rinpoche vom Flüchtling zum zweitwichtigsten tibetisch-buddhistischen Führer hinter dem Dalai Lama aufstieg. Das Buch erhebt schwere Vorwürfe gegen den Mann mit bürgerlichem Namen Sogyal Lakar, der im Spätsommer 2017 nach massiven öffentlichen Anschuldigungen aus dem inneren Zirkel Rigpas von allen Ämtern zurück trat. Unter anderem geht es um zwei Fälle von Vergewaltigung und um zahlreiche Fälle von sexuellem, psychischem und physischem Missbrauch, der Veruntreuung von Spendengeldern, und von moralischer Korruption. Das Buch kann hier beim sozialen Online-Buchhandel Buch7 bestellt werden (ebenso in jeder guten Buchhandlung): Sex and Violence in Tibetan Buddhism

Retreat oder Flucht. Sogyal Rinpoche hatte sich im Spätsommer 2017 in den „Retreat“ verabschiedet, nachdem der lange schon eingeweihte Dalai Lama ihn schließlich mit einem öffentlich geäußerten Halbsatz fallen ließ („Sogyal Rinpoche, my very good friend, but he is disgraced….“). Sogyal ist an Krebs erkrankt und wurde mehrfach in Singapur behandelt. Die Autoren des neuen Buches vermuten ihn in Thailand, wo er sich vor dem Zugriff europäischer Ermittler zu schützen versuche.

Rückblick. Im Folgenden unser Beitrag vom 23. März diesen Jahres über die Lage und die Verwerfungen in der buddhistischen Gemeinschaft von Dzogchenbeara:

 

Dzogchen Beara, Garranes, West Cork.

 

Garranes, Beara Peninsula im äußersten Südwesten Irlands [23. März 2019]. Hier auf den Klippen über der Bantry Bay entsteht seit der Ankündigung im Jahr 2010 der erste tibetisch-buddhistische Tempel Irlands. Das Millionen-Projekt sollte erst 2017, dann 2018 und schließlich 2019 eingeweiht werden. Doch der Ausbau des buddhistischen Retreats Dzogchenbeara ist ins Stocken geraten. Die Gemeinschaft muss den Abgang ihres in Misskredit geratenen Gurus verkraften. Die Hoffnung immerhin lebt: Der Tempel soll nun im Jahr 2020 eingeweiht werden.

Vor über 30 Jahren hat sich in Garranes, einige Kilometer westlich von Castletownbere, eine tibetisch-buddhistische Gemeinschaft angesiedelt und den Ort in Dzogchenbeara umbenannt. Angeführt wurde die spirituelle Gemeinde von einem heute weltweit berühmten tibetischen Buddhismus-Lehrer: Sogyal Lakar, bekannt als Sogyal Rinpoche. Im Sommer 2017 stürzte eine lange vorbereitete Palast-Revolte von acht ehemals Getreuen den Guru von Beara, dem seit den 90-er Jahren Vorwürfe wegen körperlichen, sexuellen und emotionalen Missbrauchs anhingen. Seitdem ist auf den Klippen von Garranes hoch über dem Atlantik nichts mehr, wie es einmal war. Der Seelenfrieden ist gestört.

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