Sunset Dunmanus Bay

Der Tag fängt mal wieder mit dem Ende an: Aufgewacht und über Sonnenuntergänge nachgedacht. Warum faszinieren uns Sonnenuntergänge? Warum müssen wir sie ständig fotografieren und uns dann auch noch als kitsch-versessen beschimpfen lassen? Warum ist der Sonnenuntergang eines der liebsten Postkartenmotive des modernen Urlaubers? (Übrigens: Es gibt etwas zu gewinnen. Mehr am ende des Beitrags . . . )

Tatsächlich hat jemand das Thema Sonnenuntergang und Mensch genauer bedacht und lässt uns an seinem Ergebnis teilhaben: Der englische Schriftsteller James Hamilton-Paterson erklärt auf Spiegel Online Einiges über die untergehende Sonne und über uns selbst. Bevor wir sein Fazit zitieren, eine eigene Antwort: Die Beziehung des Menschen zum Sonnenuntergang wurzelt in denselben archaischen Schichten des Menschheits-Bewusstseins wie die Beziehung zum Meer und zu den Berggipfeln: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, wie überleben wir jetzt, warum müssen wir auf Berge steigen, warum ans Meer fahren?
Schuggerloof
Große Fragen, die an unsere Existenz rühren und die gleichzeitig die Endlichkeit dieser Existenz thematisieren. Der Untergang der Sonne ist die Metapher für das Ende, auch für das Ende des Lebens – bei gleichzeitiger Gewissheit, dass es (todsicher) einen nächsten Sonnenaufgang geben wird. Ohne Licht kein Leben. In die untergehende Sonne schauen ist Philosophieren ohne Begrifflichkeit, ohne Worte, aber mit tiefem Verstehen.
James Hamilton-Patersons Antwort:

« Menschen, die gewohnheitsmäßig Sonnenuntergänge fotografieren oder Postkarten davon verschicken, wollen damit eigentlich sagen: “Hier habt ihr den Beweis! Ich bin ein Mensch, der ein tiefes Empfinden für Natur und die ästhetischen Qualitäten von Naturereignissen hat. Ich habe den Blick eines Malers, denn kein Sonnenuntergang ist dem anderen gleich, ihre Wirkungen verändern sich vielmehr in einem fort. Ich bin aber auch ein nachdenklicher Mensch, denn Bilder von Sonnenuntergängen haben etwas Ruhiges, ja eine spirituelle Qualität.
Und was diese Postkarte angeht, die ich euch schicke: Ihr habt bestimmt bemerkt, dass die aus Thailand/Palau/dem südlichen Pazifik stammt – wie schon die Palmen zeigen! -, was bedeutet, dass ich genug Geld und Muße habe, um für zwei Wochen um die halbe Welt zu gondeln, und außerdem so viel Feingefühl, dass ich euch eben nicht eine Juxkarte mit einer anzüglichen Bildunterschrift schicke oder eine von Eingeborenenmädchen, die Baströcke tragen und irgendeinen ‘National Geographic’-Tanz vollführen. Mit anderen Worten: Ich bin ein weit gereister, nachdenklicher, sensibler Mensch mit gutem Geschmack.” . . .

Nicht beabsichtigt dürfte die Botschaft sein: “Ich dachte, es schadet dir nichts, daran erinnert zu werden, dass das menschliche Dasein etwas mit Sonnenuntergängen zu tun hat und dass wir uns mit jedem Tag ein Stückchen weiter westwärts bewegen. Drum rate ich dir: Bewahre jeden Sonnenuntergang in deinem Herzen, denn du hast immer weniger Gelegenheiten, noch einen zu erleben. »

Sunset over Bantry Bay_1_xs

Hier am Atlantik in Irland ist der Winter die Zeit der spektakulären Sonnenuntergänge — wenn die Macht der Regenwolken sich einmal brechen lässt und man sehen kann, wie die Sonne direkt in den Atlantik abtaucht.

Mitmachen und gewinnen: Wer hat ein Foto von einem schönen irischen Sonnenuntergang und will ihn hier auf www.irlandnews.com zeigen? Der Einsender des besten Sunset-Shots erhält mein aktuelles Buch Irland. Ein Länderporträt. Wir sammeln Einsendungen bis zum 25. Januar. Bitte Foto per Email (an: markus@irlandnews.com) senden, Namen und Wohnort nennen und den Ort und das Datum, an dem der Sonnenuntergang aufgenommen wurde.

Sonnenexplosion_

Alle Fotos: Markus Bäuchle. Sonnenuntergänge über Bantry Bay, Dunmanus Bay und der Beara Peninsula in West Cork. Eine erste Version dieses Beitrags ist am 16. Oktober 2009 erschienen.