Die Landessymbole Irlands sind die Harfe, das Kleeblatt und bis vor kurzem der Bagger. Die Landesheiligen heißen St. Patrick, William Butler Yeats und Declan Kidney. Nationale Institution sind die Late Late Show und das Samstags-Lotto, das Fetisch-Tier der Insel heißt „Panthera tigris, var. celtica“, der Tiger in seiner urtypisch keltischen Ausprägung.
Nun, da das kapitalistische Raubtier zahnlos und sterbenskrank in Leinster House zu Tode gehungert wird, wollen wir dem guten alten irischen Esel das Denkmal setzen, das ihm lange schon zusteht: Asinus, das ewige Langohr ist das eigentliche Nationaltier der Insel – auch wenn die ehemaligen neureichen West-Briten sich pferdenärrisch und viele „kleine Leute“ sich windhund-besessen aufführen. Und selbst, wenn die nationale Buslinie Bus Eireann an ihrem irischen Setter als Maskottchen festhält.
Der Esel erzählt wie kein anderes Tier die Entwicklung Irlands aus der Armut in den Hochmut.

Noch vor 20 Jahren schickten entzückte Irlandromantiker die Postkarte mit dem Farmer auf der Eselskarre nach Hause, galt der Typus des aus der Zeit gefallenen Landmannes doch als geradezu ikonisch für die Insel, auf der die Zeit stehen geblieben schien. Trafen sich zwei Eselskarren postkartengerecht auf einer engen Landstraße, unterschrieb man den Gruß von der Insel gerne mit „Rush Hour Ireland“.

Dann kamen die stürmischen Jahren des keltischen Tigers. Die Landwirtschaft trat Hand in Hand mit der Armut den Rückzug an, aus Farmern wurden Großgrundbesitzer, die Karren wurden von Traktoren und Quadbikes ersetzt – und aus dem ehedem überlebensnotwendigen Arbeitstier und Transportmittel Esel wurde ein nutzloses Anhängsel.

Bald sah man die typischen einachsigen Eselskarren hinter den Ställen verrotten, und überall im Land standen Esel auf den zuwachsenden Wiesen herum – zurückgelassen, arbeitslos, nutzlos, verwahrlost, zu langsam, zu eigensinnig und zu unschick für die große Party- und Immobiliensause, die nun anhob zwischen Waterford und Letterkenny. Der irische Esel hatte seine Schuldigkeit getan – und ausgedient.