Irlands Farben

Bantry, unsere kleine Stadt mit den vielen Charity Shops

 

Es ist Samstag – und weiter geht es auf Irlandnews mit der Mini-Serie How to hang on to lockdown without losing your mind – sinngemäß: Wie man im Lockdown den Verstand nicht verliert und sich den Optimismus bewahrt. Irlandnews-FreundInnen im Lockdown geben Antworten auf diese drei Fragen:

 

1. Schaffst Du es, im Dauer-Lockdown ausgeglichen, motiviert oder sogar kreativ zu bleiben – und wenn ja wie und womit?

2. Was vermisst Du im Lockdown am meisten? (Gibt es ein Rezept gegen dieses Fehlen und Vermissen?)

3. Welche Lockdown-Errungenschaft möchtest Du in eine Zeit danach hinüber retten?

 

Heute gibt  Irlandnews-Autorin Eliane Zimmermann (Foto) Auskunft, wie sie mit der Aussicht umgeht, bis Ende April die Fünf-Kilometer-Zone ums Haus nicht verlassen zu dürfen. Die Aromatherapeutin, Buch-Autorin und Dozentin Eliane Zimmermann wuchs teilweise in Süd-Brasilien auf und genießt seit über 20 Jahren das ähnliche Klima und die teilweise sehr ähnliche subtropische Flora der Grünen Insel.

 

1. Schaffst Du es, im Dauer-Lockdown ausgeglichen, motiviert oder sogar kreativ zu bleiben – und wenn ja wie und womit?

„Kreativität war und ist schon seit frühesten Kindertagen mein Lebenselixier. Auch wenn ich frustriert und stinksauer über diverse für mich nicht nachvollziehbare Einschränkungen wie den „Fünf-Kilometer-Käfig“ bin, zwinge ich mich, meine kreativen Ressourcen anzuzapfen. Weitere Bücher zu schreiben kommt ohnehin als sanfter Druck von meinen deutschen Verlagen, vorhandene Bücher für Neuauflagen zu aktualisieren ebenso. Zwischendrin mal etwas zu nähen, zeichnen, stricken oder ein olles Möbelstück anzumalen, das hilft mir ungemein. Nicht zu vergessen: Weitere Studien zu meinen zahlreichen ätherischen Ölen zu suchen, und freilich deren stimmungsaufhellende Aktivierung auf Gehirn-Botenstoffe (Serotonin, Dopamin, GABA etc) gründlich zu testen. In mehr als einer Situation konnten diese meine innere Balance wieder herstellen.

Nicht zuletzt ließ ich mich auf das Abenteuer ‚WebSeminare-Halten‘ ein: Die Vor- und Nachbereitungen sind dermaßen zeitaufwendig und oft nervenverzehrend, so dass ich kaum dazu komme, mich daran zu erinnern, wie sinnlos Grübeln ist. Dieser innere Widerstand führt zu nichts, außer zu unnötigem Frust. Der wiederum meine Kreativität empfindlich stört. In SOS Selbstfürsorge verrate ich meine Tipps und Tricks for not losing my mind, nicht nur aus dem Bereich der Aromatherapie, sondern gehe auf meine früheren naturheilkundlichen Schwerpunkte Neurolinguistik, Farbtherapie und Musiktherapie ein [die Aufzeichnung ist bei Digistore erhältlich].“

 

2. Was vermisst Du im Lockdown am meisten? (Gibt es ein Rezept gegen dieses Fehlen und Vermissen?)

„Ich jammere und vermisse auf einem hohen Niveau, dessen bin ich mir täglich bewusst. Nach fast einem Jahr der teils freiwilligen Isolation fehlt dennoch schlicht und einfach manchmal eine ganz bestimmte Art der Inspiration. Mal von der gegenüber liegenden Halbinsel zum eigenen Paradies hinüberschauen zu können, oder dieser verwunschenen Ruine am 30 Kilometer entfernten Ort „Hallo“ zu sagen. Mal in die „ferry“ des lokalen Bootsmannes steigen zu können und nach den Seeadlern Ausschau zu halten. Mal eben nach Kenmare zum französischen Café über den Caha Pass zu „hoppen“ oder die „Kinder“ im 85 km entfernten Cork besuchen zu können.

Ich vermisse auch, bestimmte Pflanzen zu bestimmten Jahreszeiten besuchen zu können, ob es der wundervoll blühende Geisterbaum im Mai war oder der bratapfelduftende Katsura-Baum im Herbst. Dass ich die Massen des hier typischen – jedoch ausgerechnet nicht im Umkreis von fünf Kilometer gedeihenden – Schnittknoblauch dieses Jahr wohl wieder nicht ernten darf, lässt Unmut hoch kommen. Ich gehe ohnehin selten einkaufen, doch dass die sieben Charity Shops in unserer kleinen Stadt nun schon ewig geschlossen sind, knabbert an meiner Passion des Upcycelns: Nur allzu gerne nähe ich aus abgelegten Leinenhosen schöne Kissenbezüge, bemale kitschige Kleinmöbel im Shabby Chic-Look oder stelle aus alten Holz-Kochlöffeln tolle Deko her. Das Rezept zum Kurieren dieses Gefühl des Vermissens: Ausmisten, verlegte und vergessene Dinge in entlegenen Ecken ausgraben und diese endlich, wie einst geplant, verarbeiten (oder weg werfen).“

 

3. Welche Lockdown-Errungenschaft möchtest Du in eine Zeit danach hinüber retten?

„Wegen der vielen Herumsitzerei mache ich etwas öfter als früher wohltuende Stretch-Übungen für die eingerosteten Gelenke. Meinem im Dezember 2019 per MRT zum hoffnungslos kaputten Körperteil deklarierten linken Knie droht (derzeit) nicht mehr die Prothese. Denn mit täglichen kleinen Übungen und weniger Kofferschleppen auf ohnehin nervigen Flughafen- und Bahnhof-Aufenthalten geht es meinem Gestell deutlich besser.“

 

Zugabe. Ist es mir bislang in meinen Online-Seminaren gelungen, mehr Menschen als in Live-Veranstaltungen zu inspirieren und zum dringenden Handeln in Anbetracht noch viel schlimmerer Katastrophen anzuregen?

„Ich fürchte nein. Ich werde wohl von den meisten meiner ZuhörerInnen als „Spinnerin“ und „Öko-Exot“ belächelt. Durchaus interessant, jedoch nicht als gutes Beispiel tauglich. Den halben Winter bei 16 Grad mit vier Pulloverschichten herum sitzen, auf ein Auto verzichten, keine Tiere verspeisen etc, das klingt zu lebensfremd. Für eine enkel-taugliche Welt ein paar kleine Opfer zu bringen mag zwar super klingen, doch das sollen andere machen… Bemerkungen so in dieser Art sind mir wohl vertraut. Ich mache trotzdem weiter. “

 

Charity Irland

Charity Shop in Bantry, Ir