Dublin Tales: Jonathan Swift und die Liebe

Jonathan Swift

Büste von Jonathan Swift, Schriftsteller, Satiriker, Dekan – und ein kleiner Casanova?

Jonathan Swift — erfurchtsvoll steht der Besucher von St. Patrick’s Cathedral vor der Büste und dem Grab des großen irischen Schriftstellers und Satirikers („Gullivers Reisen“). Dass er von 1713 bis zu seinem Tod 1745 Dekan der Kathedrale war, ist den meisten Besuchern vielleicht noch bekannt. Doch wer war dieser Swift eigentlich? Und was hat es mit der geheimnisvollen Stella auf sich, neben der Swift bestattet ist? Swift wurde 1667 in Dublin als Sohn englischer Eltern mit Beziehungen in höchste Kreise geboren. Die ersten fünf Lebensjahre verbrachte Swift in England, kehrte dann aber nach Irland zurück, wo er eine theologische Ausbildung absolvierte. 1695 wurde er zum Priester der anglikanischen Church of Ireland ordiniert.

Der als äußerst ehrgeizig geltende Swift machte sich (nicht ganz unbegründet) Hoffnungen auf eine Karriere auf der großen Nachbarinsel. Er war häufiger in England zu Besuch, verkehrte dort in höchsten literarischen und politischen Kreisen, war mit Alexander Pope und anderen bekannten Schriftstellern und Geistesgrößen befreundet. Politisch engagierte sich Swift zunächst für die liberalen Whigs, dann aber, aus Enttäuschung über deren Politik von 1710 an für die konservativen Tories.

Der Tod von Königin Anne 1714 beendete den Einfluss der Tories und damit auch Swifts Aussichten auf eine Karriere in England. Swift blieb nur der Rückzug nach Irland, was einem Exil gleichkam. Anstelle einer vielversprechenden Karriere in der Metropole London blieb Swift nur der Posten des Dekans von St. Patrick’s Cathedral im provinziellen Dublin. Seiner Enttäuschung und seinem Frust verschaffte er Ausdruck in scharfzüngigen politischen Satiren. Manche seiner Schriften erregten ein solches Aufsehen, dass die englische Regierung eine Belohnung für die Ergreifung des unbekannten Verfassers aussetzte.

Jonathan Swift Dublin

Das Grab von Jonathan Swift in Dublins St. Patrick’s Cathedral, neben dem von Esther „Stella“ Johnson, der Liebe seines Lebens

Bekannt wurde Swift auch für seine Beziehung zu Esther Johnson (1681-1728), die er „Stella“ nannte. Swift wurde ihr Lehrer und Mentor, als sie acht Jahre alt war und er in den Zwanzigern. Später als Erwachsene pflegten die beiden eine innige, wenn auch mehrdeutige Beziehung. Wie mehrdeutig, darüber streiten die Biografen. Manche nehmen sogar an, dass Swift seine Stella 1716 heimlich heiratete, andere stufen diese Annahme jedoch als Unsinn ein. Weniger Zweifel herrschen darüber, dass Swift während seiner Zeit in England noch eine weitere, nicht weniger mehrdeutige Beziehung zu einer Dame namens Esther Vanhomrigh (1688-1723) führte, eine andere Esther, die er „Vanessa“ nannte. Swift schien eine Zeitlang ihre Zuneigung für ihn erwidert zu haben, soll dann aber die Beziehung beendet haben.

Doch damit war die Sache nicht aus der Welt. Das Drama nahm seinen Lauf, nachdem sich Swift endgültig nach Irland zurückgezogen hatte und Vanessa, die sich anscheinend noch immer Hoffnung machte, ihm kurzerhand nachfolgte. Als sie schließlich von seiner anderen Beziehung erfuhr, kam es zur Konfrontation. Vermutlich schrieb Vanessa einen Brief an Stella. Verstört zeigte Stella Swift den Brief. In seiner aufbrausenden Art galoppierte dieser daraufhin zu Vanessas Haus, warf ihr einen hasserfüllten Blick zu, zerknüllte den Brief und marschierte aus dem Haus. Kurze Zeit später starb Vanessa, offensichtlich an einem gebrochenen Herzen. Fünf Jahre später starb auch Stella.

Stella wurde in St. Patrick’s beigesetzt. Swift überlebte seine beiden Damen um viele Jahre. Als er 1745 starb, wurde er in St. Patrick’s Cathedral beigesetzt – im selben Sarg wie Stella, der Liebe seines Lebens.

 

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Dirk Huck

Der Autor: Dirk Huck, Journalist und Systemberater. Dirk lebt seit 2007 in Dublin, wo er hauptberuflich als technischer Systemberater für Datenbanksysteme arbeitet. In seiner Freizeit schreibt Dirk in einem bunten Mix über sein neues Heimatland Irland, seine Menschen, seine Geschichte und seine Sehenswürdigkeiten. Dirk hegt eine Vorliebe für interessante und ausgefallene Orte und Geschichten.

Von | 2013-04-18T09:03:48+00:00 18. April 2013|0 Kommentare

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