»Ich erinnere mich nur an das, was ich meinem Verleger gegeben habe. Abgesehen von dem, was privat bleiben soll und dem, was ich vergessen will. Die Gesamtheit dessen, woran ich mich nicht erinnere, würde indes zehntausend Büchereien füllen, daher ist es vielleicht ganz gut, dass vieles in Vergessenheit geraten ist.« (S. 10)

 

Evolution einer irischen Revoluzzerin

 

Erinnerungen von Sinéad O’Connor,
übersetzt von Peter Peschke.

Rezensiert von Ellen Dunne

Sinéad O’Connor mag von vielen in Irland und international als bedauernswertes, ehemaliges One-Hit-Wonder abgetan werden, eine impulsive Exzentrikerin mit seelischen Problemen. Und ja – die irische Musikerin und „gefallener Star“ ist unberechenbar. Das sagt sie selbst von sich, und das kann ich bestätigen. Denn eigentlich wollte ich heute ein ganz anderes Buch vorstellen. Bis ich über die Feiertage Sinéad O’Connors Autobiografie, gelesen von ihr selbst, zugehört habe. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich das Hörbuch beendet habe, wurde der tragische Tod einer ihrer drei Söhne bekannt. Meine Entscheidung, diese Autobiografie hier zu empfehlen, hat das aber allenfalls nur bestärkt. Denn Erinnerungen ist mehr als eine Aneinanderreihung einer schlimmen Kindheit mit Einsprengseln von (teils verstörenden) Anekdoten über die Musikszene. Es ist der Versuch einer Frau, die Herrschaft über ihr Leben, und damit auch ihre Vergangenheit zurückzugewin